Vordenker präsentieren Trends von morgen: Rückblick auf die Digitalkonferenz Explained

Author: Christoph SeitzDas Thema digitale Transformation wird aktuell in vielen Kreisen diskutiert. Was die Technologien der Zukunft tatsächlich heute schon können und wie sie unser Leben verändern werden, haben wir auf unserer zweiten Digitalkonferenz Explained bei Microsoft Berlin hinterfragt und vorgestellt. 14 Redner aus Politik und Wirtschaft zeigten den rund 400 Teilnehmern Chancen von cloudbasierten Programmen anhand von konkreten Beispielen auf, aber auch Herausforderungen.

Diskutiert wurden vier Komplexe: Kommunikation der Zukunft, internationale Datenpolitik in unruhigen Zeiten, Potenziale für den Öffentlichen Sektor und Mixed Reality-Technologien und ihre Nutzungsmöglichkeiten.

Warum Apps schon bald keine Rolle mehr spielen werden und wie sogenannte Bots unsere menschlichen Fähigkeiten ergänzen und eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine herstellen, beschrieb Peter Jaeger aus der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland sehr anschaulich. Dabei gehe es darum, dem Nutzer über sprachliche Kommunikation mit unterschiedlicher Hardware das Leben zu erleichtern. Für Überraschung sorgte Peter Jaeger mit einem Beispiel aus den USA, bei dem eine High-Tech-Brille die kognitiven Fähigkeiten eines blinden Menschen erweiterte und ihm seine Umgebung mithilfe einer eingebauten Kamera und eines intelligenten Sprachcomputers erklärte.

Neben allen verblüffenden Beispielen aus der Fußballwelt, dem E-Commerce oder dem Online-Stellenmarkt sei die Basis für die Anwendung neuer Technologien das Vertrauen der Nutzer, das betonten neben dem Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Nick auch Brendon Lynch, Chief Privacy Officer der Microsoft Corporation. Microsoft respektiert nationale Datenschutzgesetze und erkennt die Privatheit als universelles Grundrecht an. Derzeit arbeite Microsoft an einem „Dashboard-Konzept“, das die Kontrollmöglichkeiten für die Nutzer noch transparenter darstellen soll, erklärte Brandon Lynch.

Dass der öffentliche Sektor schon jetzt von den Technologien profitiert, wurde am Parkplatzmanagement-System von Bad Hersfeld deutlich. Durch die intelligenten Technologiebausteine würden die Investitionen für die Kommunen immer geringer werden und der Nutzen größer, sagte mein Kollege Thomas Langkabel, National Technology Officer.

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Zum Abschluss der Digitalkonferenz ging es um Mixed Reality, die neueste Dimension der Technologie. Von Architekten, Ärzten bis hin zu Autobauern – die Verknüpfung von realen und virtuellen Welten ermöglicht der Wissenschaft genau wie der Geschäftswelt schon bald ganz neue Quantensprünge, da waren sich die Vordenker und Analysten auf der Bühne schon jetzt einig.

Wie diese im Detail aussehen werden und wie die Gesellschaft davon profitiert, das beleuchten wir auch künftig – bei der nächsten EXPLAINED-Digitalkonferenz. Wenn Sie schon vorher mehr über diese Themen erfahren möchten, besuchen Sie uns jederzeit bei Microsoft Berlin!

Veröffentlicht von Christoph Seitz, Leitung Innovation, Marketing und Betrieb von Microsoft Berlin

Bauer sucht Cloud

Author: Tanja Böhm

Kaum eine andere Branche wird in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute so von überkommenen Vorstellungen geprägt wie die Landwirtschaft. Wer jedoch dachte, die moderne Agrarwirtschaft beschränkt sich auf bukolische Landschaften und auf das Sähen, Düngen und das Ernten, konnte sich am Mittwoch dieser Woche von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) im Microsoft Atrium Unter den Linden eines Besseren belehren lassen. Die Landwirtschaft ist längst zu einem stillen und zugleich konsequenten Vorreiter der digitalen Revolution geworden. Der Arbeitstag der Landwirte beginnt heute in der Regel nicht auf dem Feld oder im Stall, sondern am Computer. Man könnte zugespitzt sagen: Bauer sucht nicht mehr Frau, sondern Bauer sucht Cloud. „Die Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse gewinnt immer mehr an Bedeutung“, hob der fränkische CSU-Politiker Schmidt, selbst Sohn eines Bäckers, im Gespräch mit dem Verleger Wolfram Weimer bei der Veranstaltungsreihe „Digitales Deutschland“ hervor. Continue reading

Online-Camp: Digitale Kompetenzen für Non-Profit Organisation

Astrid_Aupperle_neu_quadratVereine, Stiftungen und andere Non-Profit-Organisationen (NPO) sind auf die Hilfe von Förderern angewiesen. Neue Technologien helfen ihnen bei der Kommunikation und Organisation ihres bürgerschaftlichen Engagements, erleichtern die Spendenakquise und mobilisieren und vernetzen Freiwillige. Dabei sind digitale Kenntnisse für NPOs heute die Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Dazu gehören beispielsweise E-Mail-Marketing, Online-Fundraising oder Community Management.

Mit einem Online-Camp unterstützt Microsoft Mitarbeiter von NPOs dabei, diese Kompetenzen zu erlangen. In Zusammenarbeit mit der Spendenplattform Stifter-helfen.de – IT für Non-Profits lernen Mitarbeiter gemeinnütziger Institutionen in fünfzehn kostenlosen Webinaren, wie sie digitale Kanäle effizient und zeitgemäß für Kommunikation, Marketing und Fundraising nutzen können. Die einstündigen Schulungen finden im Zeitraum vom 18.-27. Oktober statt. Sie richten sich an alle haupt- und ehrenamtlich Engagierten in Vereinen, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Organisationen.

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Das Online-Camp ist eines von vielen Hilfsangeboten von Microsoft, um die Arbeit von Non-Profit-Organisationen lösungsorientiert und effizient zu gestalten. Neben Softwarespenden, deren Gesamtwert allein in Deutschland im vergangenen Jahr 44 Mio. Euro betrug, stellen auch die Microsoft-Mitarbeiter ihre Hilfe zur Verfügung. Über eine Helpline von Stifter-helfen.de leisten sie den NPOs ehrenamtlich Hilfestellung bei technischen Fragen. Darüber hinaus veranstaltet Microsoft einmal im Jahr einen NPO-Trendtag. Dort können sich die Mitarbeiter von gemeinnützigen Organisationen über neueste Technologieentwicklungen informieren und wichtige Kontakte knüpfen.

Mit diesen Angeboten wollen wir ein Ziel erreichen: den Menschen, die sich zum Wohl anderer einsetzen, mit unserer Technologie und unserem Know-How zu helfen. Damit gesellschaftliches Engagement auch für die nächste Generation von ehrenamtlich Tätigen attraktiv bleibt, unterstützen wir sie mit moderner IT. Denn ohne den täglichen Einsatz der freiwilligen Helfer würde unsere Gesellschaft kaum funktionieren.

Alle Workshops des Online-Camps finden Sie hier. Während des Camps haben Teilnehmer die Möglichkeit, sich in einer moderierten Facebook-Gruppe auszutauschen und zu vernetzen. Auf Twitter können Sie den Inhalten unter #OnlineCamp folgen.

Veröffentlicht von Astrid Aupperle, Leiterin Gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland

Auf Programmier-Tour durch Deutschland

thumb_80x80_StephanHohmannCode your Life-Botschafter aus dem Deutschen Bundestag drückten Anfang September die Schulbank – für einen guten Zweck. Thomas Jarzombek, Saskia Esken, Dorothee Bär und zehn weitere Bundestagsabgeordnete gehören zu den 15 Botschaftern, die die Bildungsinitiative seit ihrem Start im Februar 2016 unterstützen.

Nach den Sommerferien nahmen die Politiker erstmals an Programmier-Workshops für 10-14jährige Schüler teil. Die Coding-Kurse fanden an den Schulen statt, die sie als Paten der Initiative repräsentieren. Dabei erhalten Schulkinder erste Einblicke in die Programmierwelt, indem sie mit den Programmen umzugehen lernen und damit etwas gestalten.

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„Programmiersprachen sollten künftig an Schulen so selbstverständlich sein wie Deutsch, Englisch oder Französisch”, sagte Thomas Jarzombek bei seinem Besuch in der Städtischen Katholischen Grundschule Niederkassel. Deshalb setze er sich auch für Code your Life ein. Gemeinsam mit den prominenten Botschaftern wollen wir mit unserer Initiative Mädchen und Jungen Lust auf den Umgang mit Technik machen und Kinder schon ab dem Grundschulalter spielerisch für das Programmieren begeistern. Damit sie kompetente digitale Nutzer – und vielleicht sogar Entwickler, Erfinder oder Unternehmensgründer werden können, unterstützen wir Kinder dabei, die grundlegenden Prinzipien des Programmierens zu verstehen.

Neben der bundesweiten Tour bieten wir 8-14-jährigen Schulkindern Workshops in und um Berlin an und versorgen bundesweit interessierte Schulen und Lehrer mit Material für den Programmierunterricht. Neuer Baustein der Initiative sind Online-Trainings für Pädagogen. Besuchen Sie gerne auch die Code your Life-Webseite oder empfehlen uns einer interessierten Schule weiter. Auch neue Botschafter sind herzlich willkommen.

Veröffentlicht von Stephan Hohmann, Leiter der Initiative Code your Life

Stammtisch für kreative Köpfe

thumb_80x80_StephanHohmannKinder und Jugendliche für naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern ist nicht leicht. Das weiß man noch aus seiner eigenen Schulzeit. Dass ausgerechnet ein Computerspiel hier Abhilfe schaffen kann, haben inzwischen mehr als zehntausend Schulen in über 40 Ländern festgestellt. Mit der Education Edition von Minecraft vermitteln Lehrkräfte physikalisches und mathematisches Wissen, und die Schüler haben großen Spaß dabei. Mithilfe des virtuellen Klötzchenspiels erkunden die jungen Nutzer die Welt der Rohstoffe, entwickeln Städte oder hinterfragen den Klimawandel.

Auch viele deutsche Lehrer haben inzwischen das Bildungspotenzial des Spiels erkannt. So schrieb mir ein Kölner Lehrer, dass er dank Minecraft die Motivation und Lernkurve der Lernenden auf spielerische Weise verbessern konnte.

Um jungen Minecraft-Fans aus Berlin und Umgebung eine Möglichkeit zu bieten, sich auszutauschen und gemeinsam ein virtuelles Städtebauprojekt umzusetzen, haben wir Anfang des Jahres den Minecraft-Stammtisch ins Leben gerufen. Seitdem treffen sich jede Woche Kinder und Jugendliche in der Digital Eatery von Microsoft Berlin. Unter Begleitung eines Pädagogen und eines technischen Experten probieren sie sich als Städtebauer, Entwickler von Maschinen oder basteln Schaltkreise für Computer zusammen.

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Kürzlich erzählte mir die Mutter eines Teilnehmers, dass das Spiel das analytische Denken und die Kreativität ihres Sohnes spürbar fördere. Außerdem würde er ganz nebenbei auch noch viele englische Begriffe lernen, und das alles mit spielerischer Leichtigkeit. Auch das begleitende Erwachsenenteam äußert sich begeistert von der Motivation der Kinder. So verblüffte ein Neunjähriger kürzlich den Pädagogen mit der Idee, Sand und Glas verschmelzen zu wollen, um Fenster bauen zu können. Andere Teilnehmer verfügen schon über sehr fortgeschrittene Computerkenntnisse, die denen von Profis nahekommen.

Es ist möglich, Kinder spielerisch für MINT-Fächer zu begeistern – man muss ihnen nur die richtigen Zutaten anbieten. Genau darum bemühen wir uns mit unserer Bildungsinitiative Code your Life, zu der auch der Minecraft-Stammtisch zählt. Im Mittelpunkt von Code your Life steht das spielerische Vermitteln von IT-Kompetenzen. Bei unseren Unterrichtsprojekten gilt es, Kinder in Erstaunen zu versetzen, sie am Computer verschiedene Szenarien ausprobieren, tüfteln und experimentieren zu lassen. Minecraft ist eine Welt, die Kinder und Jugendliche in ihren Bann zieht. Deshalb ist unser nächstes Ziel, die Minecraft Education Edition als Modul in das Code your Life Kurrikulum einzubinden und den Schulen und Lehrern in Deutschland als Unterrichtsmaterial zur Verfügung zu stellen.

Veröffentlicht von Stephan Hohmann, Leiter der Initiative Code your Life

Microsoft-Klage zu Durchsuchungsbeschlüssen von E-Mail-Konten: Einschätzungen aus der Politik

Guido Brinkel 80x80Im Juli hat ein US-Berufungsgericht im sogenannten „Warrant Case“ zugunsten von Microsoft entschieden. In dem Fall geht es um die förmliche Anfechtungsklage von Microsoft gegen einen Durchsuchungsbeschluss (search warrant), der von einem amerikanischen Gericht erlassen wurde. Microsoft wurde darin aufgefordert, den E-Mail-Verkehr eines Kunden, der in einem irischen Rechenzentrum von Microsoft gespeichert ist, herauszugeben. Nicht nur Technologie- und Medienunternehmen, Verbände und Informatikwissenschaftler stellten sich in dem Verfahren sich auf die Seite Microsofts, sondern auch die irische Regierung.

Microsoft Politik hat profilierte Köpfe aus den Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen um ihre Einschätzung zur Bedeutung des Falles und der weiteren politischen Implikationen gebeten:


Christian Flisek, MdB (SPD)
Christian FlisekDas Warrant-Case-Urteil des United States Court of Appeals for the Second Circuit berührt zwei Ebenen und ist in seinen spezifischen Auswirkungen auf beiden Ebenen zu begrüßen.

Erstens und vor allem ist das Urteil ein US-amerikanisches Anerkenntnis, dass die USA die Souveränität anderer Staaten und ihrer Rechtssysteme achten – jedenfalls wenn es um den Schutz persönlicher Daten geht, die auf Servern im Ausland gespeichert sind. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, wie man schnell feststellt, wenn man etwa einen Blick auf das Vorgehen von US-Behörden im Zusammenhang mit US-Sanktionsrecht wirft. Die Achtung fremder Rechtssysteme ist aber richtig und wichtig, denn die USA würden es auch nicht akzeptieren, wenn ausländische Staaten Hoheitsbefugnisse über Server ausüben wollen würden, die auf US-amerikanischem Boden stehen. Dies sollten auch jene mitbedenken, die jetzt laut Gesetzesänderungen zugunsten der US-Sicherheitsbehörden fordern. Solche Forderungen könnten zu einem Bumerang zulasten von US-Bürgern werden, sobald z.B. chinesische IT-Unternehmen globaler agieren.

Zweitens ist das Urteil natürlich auch ein Sieg des Daten- und Privatsphärenschutzes – auch wenn es darum rein rechtlich in dem Urteil gar nicht ging. Weil aber mit der Achtung fremder Rechtssysteme auch eine Achtung der dortigen Wertevorstellungen einhergeht, bedeutet das Warrant-Case-Urteil ganz konkret: US-Behörden haben europäisches Datenschutzrecht einzuhalten, wenn sie auf Daten von Servern zugreifen wollen, die in einem EU-Mitgliedstaat verortet sind. Auch das ist richtig und wichtig.

Das Urteil sollte die EU und ihre Mitgliedstaaten ermutigen, auch gegenüber befreundeten Staaten wie den USA, mit denen man gemeinsame Werte teilt, ihre Auslegung und Ausgestaltung gemeinsamer Werte selbstbewusst zu kommunizieren und zu verteidigen. Alles andere ginge zulasten ihrer Bürger und wäre daher nicht akzeptabel.


Dr. Andreas Nick, MdB (CDU/CSU)
Andreas NickDas Internet steht wie kein anderes Medium für weltweite Vernetzung. Es ist ein Raum der Meinungsvielfalt und Teilhabe, aber auch Motor für Innovation und Wirtschaftswachstum. Verlässliche Regeln und Rahmenbedingungen für ein weiterhin offenes und freies globales Netz können daher auch nicht alleine auf nationaler Ebene gewährleistet werden, denn das Netz ist per definitionem grenzüberschreitend.

Zumindest zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und den USA wäre ein gemeinsamer Bezugsrahmen für Datensicherheit dringend erforderlich. Wir brauchen daher auf beiden Seiten des Atlantiks immer wieder eine Verständigung über die richtige Balance von Freiheit und Sicherheit in unseren offenen und pluralistischen Gesellschaften.

Die Entscheidung eines US-Berufungsgerichtes im sogenannten „Warrant Case“ zugunsten von Microsoft ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. Nicht nur die Institutionen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten, auch Drittstaaten haben das Verfahren der USA gegen Microsoft mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.

Die US-Behörden hatten Anspruch auf Zugriff auch auf solche Inhalte erhoben, die in Datencentern von US-Anbietern im europäischen Ausland gespeichert sind, um ihre strafrechtlichen Ermittlungen oder Ermittlungen zur nationalen Sicherheit zu unterstützen. Der „Warrant Case“ hat nun ein deutliches Zeichen für eine Beschränkung des exterritorialen Zugriffs von Regierungen und Sicherheitsbehörden gesetzt.

Dies zeigt einmal mehr: die Debatte um Informationssicherheit und Datenschutz ist nicht nur eine zwischenstaatliche Frage. Sie ist auch Teil einer inner-gesellschaftlichen Debatte innerhalb der USA. Die in den USA beheimateten, aber global tätigen Unternehmen der digitalen Wirtschaft haben nämlich ein zentrales Interesse, die Zugriffsrechte der US-Behörden auf die Daten ihrer Kunden verlässlich zu regeln und einzugrenzen, wenn sie ihre Dienstleistungen auch künftig im weltweiten Wettbewerb erfolgreich anbieten wollen.

Damit kann die global agierende Silicon-Valley-Industrie selbst zu einem wichtigen Verbündeten werden, um einen verlässlichen international anerkannten Rechtsrahmen einzufordern. Ihr Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse in Washington in dieser Frage ist möglicherweise größer als die Einwirkungsmöglichkeiten ausländischer Regierungen. Allerdings wird die Silicon Valley-Industrie beim Erreichen globaler Standards für Datenschutz und Datensicherheit nicht nur gegenüber nationalen Regierungen und Sicherheitsbehörden ihren Einfluss geltend machen müssen, sondern entsprechende Standards im Verhältnis zu ihren Kunden auch selbst entwickeln und gewährleisten.


Konstantin von Notz, MdB (Bündnis 90/Die Grünen)

Konstantin von Notz MdB, Buendnis 90/Die Gruenen im BundestagVor wenigen Wochen hat ein US-Gericht festgestellt, dass Microsoft im Ausland liegende Daten nicht an US-Ermittlungsbehörden übergeben muss. Das Urteil war zweifellos ein wichtiger Teilerfolg. Allerdings sind andere US-Gerichte nicht an diese Entscheidung gebunden. Gleichwohl zeigt es erneut, dass es sich lohnt, für Privatsphäre und Datenschutz vor Gericht zu streiten.

Doch in Jubel auszubrechen wäre auch aus anderen Gründen verfrüht. Längst arbeitet man in den USA an neuen Initiativen, die den Zugriff wieder erlauben. Konkret hob das Gericht ein Urteil aus 2014 auf, das von Microsoft verlangt hatte, E-Mails eines mutmaßlichen Drogenschmugglers an US-Ermittlungsbehörden auszuhändigen. Das Unternehmen weigerte sich jedoch, die in Irland gespeicherten Mails herauszugeben, da der von einem New Yorker Bezirksrichter unterschriebene Durchsuchungsbefehl im Ausland nicht gültig sei. Das Gericht bestätigte nun, dass der sogenannte Stored Communications Act (SCA) nicht außerhalb der USA gelte. Das Gericht verwies darauf, dass die Intention des Gesetzgebers, dass die Regelung auch im Ausland gelten solle, nicht deutlich wurde. Ferner verwies die Richterin auf die Möglichkeit, über Rechtshilfeverträge an entsprechende Daten zu gelangen.

Somit wurde einerseits sichergestellt, dass die US-Sicherheitsbehörden nicht automatisch auf im Ausland liegende Daten zugreifen können. Durch das Urteil ist der Gesetzgeber gezwungen, zukünftig ausdrücklich festzulegen, wenn eine Regelung auch Anwendung im Ausland finden soll.

Zu befürchten steht nun, dass durch entsprechende Gesetzesreformen genau dies forciert wird. Entsprechende gesetzgeberische Initiativen sind längst in Erarbeitung. Eine solche Lösung wäre aus Datenschutzsicht natürlich ein Rückschritt, da Nicht-US-Bürgerinnen und -Bürger davon ausgehen müssten, dass US-Behörden wie das FBI oder die NSA auf der Grundlage weitaus niedrigerer Schutzstandards Zugriff auf Inhalte erhalten würden, selbst wenn diese außerhalb der USA in vermeintlich sicheren Datenhäfen gespeichert sind.

Insgesamt, so scheint es derzeit, rollt die Debatte, wie mit (aus Verfolgersicht) in Drittstaaten gespeicherten Daten umzugehen ist und unter welchen Voraussetzungen ausländische Sicherheitsbehörden darauf (direkt) zugreifen können (sollen), nach dem Wechsel von Safe Harbor zu Privacy Shield weiter voll auf uns zu. Die USA müssen gewärtigen, dass die mögliche Schaffung neuer Rechtsgrundlagen für gerichtliche Datenzugriffe eine weitere Gefährdung des mühsam erzielten und verfassungsrechtlich offenkundig fragwürdigen Kompromisses mit Namen Privacy Shield gleich zu Beginn auf eine harte Probe stellen würde. Klar ist allerdings auch, dass die Umsetzung von immer mehr – ohnehin schwerfälligen – Rechtshilfeersuchen oftmals sehr lang, in der Regel mehrere Monate, dauert – wertvolle Zeit, die in Ermittlungsverfahren verstreicht. Dies, so hört man zumindest, war zuletzt bei Ermittlungen nach der schlimmen Tat von Würzburg erneut der Fall.

Auch diese Frage, wie es einerseits gelingt, für diese dringenden Fälle polizeilicher Prävention Privatsphäre zu schützen und zugleich Rechtsstaatlichkeit zu wahren, andererseits die internationale Kooperation auf Grundlage klarer rechtlicher Vorgaben zu effektivieren und Strafverfolgung zu ermöglichen, werden wir in den nächsten Monaten sehr intensiv führen. Bezüglich der Frage, ob bilaterale Abkommen und eine Ausweitung der direkten Kooperation von Sicherheitsbehörden mit den großen Plattformen, wie sie derzeit die EU-Kommission plant, tatsächlich die richtigen Antworten auf die skizzierten Herausforderungen sind, haben wir Zweifel. Sinnvoller und rechtsstaatlich geboten erscheint uns eine Effektivierung der Zusammenarbeit der bewährten transparenten rechtsstaatlichen Verfahrenswege.


Veröffentlicht von Dr. Guido Brinkel, Leiter Regulierungspolitik, Microsoft Deutschland

Technologie für alle: Aktion Mensch und Microsoft suchen Ideen für mehr Teilhabe durch digitale Anwendungen

Astrid_Aupperle_neu_quadratNeue Wege gehen und damit Begegnungen schaffen – das steht nicht nur im Mittelpunkt der aktuellen „Neue Nähe“-Kampagne der Aktion Mensch. Es bildet auch den Kern einer Kooperation zwischen der Förderorganisation und Microsoft Deutschland. Ziel ist die Entwicklung digitaler Anwendungen, die mehr Barrierefreiheit und damit ein selbstverständlicheres Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung ermöglichen – ein Ziel, das im Rahmen eines gemeinsamen Hackathons im November Realität werden soll.

Mitdenker für digitale Barrierefreiheit gesucht
Ausgangspunkt der neuen technologischen Entwicklungen sollen Ideen sein, die auf einem bestehenden Bedarf oder einer Alltagsproblematik von Menschen mit Behinderung basieren. Im Fokus steht hierbei die Frage, wie Technologie Barrierefreiheit und Teilhabe verbessern kann. Dabei kann es sich um eine konkrete Idee für ein neues Hilfsmittel, einen Ansatz für die Weiterentwicklung einer bestehenden digitalen Anwendung oder auch ganz einfach um ein Problem handeln, für das eine digitale Lösung benötigt wird.

Unter „Mitdenker gesucht“ sind auf der Webseite der Aktion Mensch zur „Neue Nähe“-Kampagne alle Ideen willkommen – von Menschen mit sowie ohne Behinderung – egal, ob zum Thema persönliche Entwicklung oder Mobilität, digitales Lernen oder im Bereich Gaming. Wichtig dabei: Es geht bei den Vorschlägen nicht um ausgefeilte technologische Ansätze, sondern um konkrete Ideen und Wünsche für mehr Teilhabe im Alltag.

Aktion Mensch_Logo

Von der Idee zur Umsetzung
Eine Auswahl der eingereichten Ideen wird im Mittelpunkt des ersten „Neue Nähe“-Hackathons der Aktion Mensch und Microsoft stehen. Bei dieser Veranstaltung arbeiten rund 100 Software-Entwickler ein ganzes Wochenende daran, innovative technologische Lösungen und Anwendungen für mehr Teilhabe zu entwickeln. Vom 25.-27. November werden die Räumlichkeiten von Microsoft in Berlin so zu einer echten inklusiven Denkfabrik.

Die Ergebnisse des „Neue Nähe“-Hackathons werden der Öffentlichkeit am 2. Dezember, dem Vortag des Internationalen Tages für Menschen mit Behinderung, im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung vorgestellt.

Veröffentlicht von Astrid Aupperle, Leiterin Gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland