Lesung: Die Samwer-Brüder und ihr Erfolgsgeheimnis

thumb_80x80_HenrikTeschSie werden als die „Popstars der New Economy“ gefeiert: den Samwer-Brüdern Marc, Oliver und Alexander ist es gelungen, innerhalb von 15 Jahren ein Internet-Imperium mit rund 27.000 Mitarbeitern in knapp 50 Ländern aufzubauen. Eine Erfolgsstory, die einzigartig in der deutschen Internetbranche ist.
Wie ist dem deutschen Trio das gelungen? Welches Erfolgsrezept steckt hinter ihrem Weltunternehmen? Was zeichnet ihre Persönlichkeiten aus? Mit einem humorvollen und anekdotenreichen Vortrag nahm Autor und Branchenkenner Joel Kaczmarek die Gäste im Microsoft-Atrium mit auf eine spannende Reise in die Welt der Samwer-Brüder. Pointiert beschrieb der ehemalige Chefredakteur des Online-Magazins Gründerszene ihre Charaktere und Erfolgsgeheimnisse, die er in dem Buch „Die Paten des Internets – wie die Samwer-Brüder das größte Internet-Imperium der Welt aufbauen“ zusammen getragen hat.

Marc, „Außenminister” des Unternehmens und typischer Jurist, Oliver, aggressiver Antreiber und Alexander, Feingeist und Strategieexperte, legten 1999 mit dem eBay-Klon Alando die Grundlage für ihren Erfolg. Nach nur 50 Tagen wurde das Unternehmen für damals rund 60 Mio. DM von eBay gekauft. Es folgten die Unternehmensgründungen Jamba und Zalando – beides gut kopierte Konzepte, die bereits im Ausland unter anderen Namen erfolgreich liefen. Mit einem guten Händchen für Geschäfte investierten die Brüder in Unternehmensklone wie trivago, myvideo oder StudiVZ und gründeten 2007 den Inkubator Rocket Internet, mit dem sie inzwischen an die Börse gegangen sind.

Die Samwer-Brüder seien Weltmeister der Umsetzung und würden mit einem essentiellen Tempo ihre Firmen aus dem Boden stampfen, so Kaczmarek. Ganz nach dem Motto „wer am schnellsten läuft, kommt als erster an“ schaffen die Samwers es, ein Unternehmen in nur einem Monat mit 200 Mitarbeitern aufzuziehen. Damit so ein Coup möglich wird, benötigt man Schnelligkeit und Entscheidungsfreude, eine gesunder Fehlerkultur und eine besondere Agilität. Diese vier Komponenten sind nach Ansicht von Kaczmarek auch Grundlage für das Erfolgsgeheimnis der Samwer-Brüder, genau wie ihre Bedenkenlosigkeit, profitable Konzepte von anderen rücksichtslos zu kopieren. Es ginge manchmal soweit, dass sie sogar Papiere kopieren würden, in denen noch die Namen der anderen Gesellschaften gestanden hätten. Hinter allen Vorgängen stecke die Samwer-Logik „gut kopiert ist besser als teuer erfunden“. Dabei haben die Unternehmer laut Joel Kaczmarek immer im Blick, die größte Internetmaschinerie der Welt zu werden.

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Sein Fazit an diesem Abend: Ohne die Samwer-Brüder würde Deutschland im Vergleich zu anderen Märkten weitaus schlechter in der Internetwirtschaft abschneiden. Ohne sie gäbe es in Deutschland eine weitaus weniger gründerfreundliche Infrastruktur. Es fehlen Universitäten und Schulen, die unternehmerisch orientiertes Wissen vermitteln, ebenso mangele es an Geld für Finanzierungsrunden, und überhaupt wolle hier keiner Unternehmer sein, so Kaczmarek. Wenn man sich die Zahlen zur deutschen Gründerlandschaft aus den vergangenen Jahren anschaut, muss man ihm Recht geben. Mehr Gründer vom Schlage der Samwer-Brüder würden die deutsche Internetbranche sicherlich weit voranbringen.

Veröffentlicht von Henrik Tesch, Leiter Politik und gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland

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