Innovationen „Made in Germany“

Author: Henrik Tesch

Joseph Schumpeter war ein echter Visionär des Digitalen. Schon 1942 prägte der österreichische Nationalökonom das Konzept der „schöpferischen Zerstörung“ für die permanente Erneuerung der Wirtschaftsstruktur durch neue, innovative Geschäftsmodelle. Oft muss das Alte gehen, bevor das Neue seine revolutionäre Kraft entfalten kann. Nichts anderes meinen wir heute, wenn wir von Innovationen durch disruptive Technologien sprechen. Ganze Märkte werden umgewälzt, neue geschaffen, und am Anfang dieses rasanten Wandels stehen oft Startups mit einer genialen Geschäftsidee. Startups sind die Game Changer der Wirtschaft, die Impulsgeber für ein digitales Wirtschaftswunder.

Deshalb bin ich überzeugt: Der radikale Wandel von Geschäftsmodellen durch digitale Innovationen wird zum prägenden Merkmal des 21. Jahrhunderts. Praktisch alle Branchen entsteigen der analogen Welt und bewegen sich mit großen Schritten in Richtung digitaler Zukunft. Zugegeben: Etablierte Unternehmen fühlen sich angesichts dieser „neuen Unordnung“ bisweilen bedroht und überfordert. Wendige Newcomer greifen ihre über Jahrzehnte gut funktionierenden Geschäftsmodelle frontal an. Ein Beispiel ist der Finanzsektor: Banken sind seit jeher die Spinne im Netz der Finanzwirtschaft. Der Online-Bezahldienst Paypal war schneller als Platzhirsche wie Visa oder American Express und hat sich praktisch aus dem Nichts zum heute geläufigen Synonym für Online-Zahlungen entwickelt.

Die Furcht der Alteingesessenen ist also nicht unberechtigt. Wer die Zukunft verschläft, wird vom Markt gefegt. Aber natürlich ist das kein Grund, sich der Zukunft zu verweigern. Denn für ein digitales Wirtschaftswunder brauchen wir alle: starke Konzerne, einen innovationsfreudigen Mittelstand und ideenreiche Gründer. Oft entstehen gerade aus Netzwerken und Kooperationen die besten Geschäftsmodelle. Ein gutes Beispiel dafür ist Cringle: der mobile Mikro-Bezahldienst setzt auf eine enge Kooperation mit der Deutschen Kreditbank (DKB). Nutzer verschicken mit der App ganz einfach Geld an Freunde und Bekannte. Die Idee: Einer zahlt, die anderen „cringeln“. Das Teilen einer gemeinsamen Restaurant-Rechnung oder einer Taxifahrt wird zum Kinderspiel. Lästiges Kramen nach Kleingeld entfällt, Cringle kommt sogar ohne die Eingabe einer Bankverbindung aus, es braucht nur die Handy-Nummer des Empfängers. Die DKB bietet dabei die klassische Plattform zur Zahlungsabwicklung. Sie führt im Hintergrund die gut alte Lastschrift aus und, ganz wichtig, sie stattet das junge Unternehmen mit dem nötigen Vertrauen für die sensiblen Geldgeschäfte aus. Eine gelungene Zusammenarbeit.

Cringle

Cringle

Microsoft ist deshalb auch ein bisschen stolz, dass Cringle zusammen mit acht anderen Startups zur ersten von mittlerweile drei Gründerklassen im Microsoft Ventures Accelerator in Berlin zählt. Cringle ist kein Einzelfall: Die Jungunternehmer der ersten beiden Gründerklassen konnten im Schnitt rund 1,2 Millionen Euro Wagniskapital akquirieren; neun von zehn Geschäftsideen mündeten in einer Unternehmensgründung. Microsoft hilft jungen Gründern so, aus ihren großartigen Ideen erfolgreiche Unternehmen zu formen. Erstklassige Mentoren und Coaches, praxisorientierte Workshops und die intensive Zusammenarbeit mit Venture Capital-Gebern stehen dabei im Mittelpunkt des viermonatigen Programms. Kurzum: Microsoft hat mit dem Accelerator ein Forum geschaffen, in dem ideenreiche Jungunternehmer vom Netzwerk eines etablierten IT-Konzerns profitieren. Der intensive Austausch ist freilich keine Einbahnstraße. Auch wir profitieren vom frischen Wind und der Aufbruchsstimmung, den die Startups in unser Unternehmen bringen.

Eine lebendige Gründerkultur ist für Deutschland unverzichtbar. Startups bringen neue Ideen, neuen Mut, und sie haben oft mehr als andere eine Kultur des Scheiterns verinnerlicht, die der „schöpferische Zerstörer“ im Sinne Schumpeters dringend braucht. Aber wir müssen sie besser fördern. Die eigentlich erfreulich hohe Gründungsrate in der IKT-Branche ist zuletzt stetig zurückgegangen. Dem dürfen wir nicht tatenlos zusehen. Der geringe Anteil der Wagniskapital-Investitionen hierzulande macht uns Sorgen. Die steuerlichen Anreize für Venture Capital-Geber sollten aus unserer Sicht deshalb noch attraktiver gestaltet werden. Ohne Geld bleibt eine Idee nur eine Idee – mag sie noch so gut sein.

Veröffentlicht von Henrik Tesch, Direktor Politik und gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland GmbH

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