Wie aus Excel Kunst entsteht

Author: Henrik TeschGroße Premiere im Microsoft Atrium: Wo sonst Diskussionsabende, Vorträge oder Workshops stattfinden, zeigt Microsoft Berlin erstmals eine Kunstausstellung. 17 Bilder und eine Serie von vier Exponaten des ukrainischen Künstlers Oleksiy Say werden noch bis zum 18. August in dem Veranstaltungsbereich gezeigt und sind für die Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich.

Das Besondere an den großformatigen, farbenfrohen Digitalprints: Der studierte Grafikdesigner fertigte sie auf Basis des am wenigsten emotionalen Produktes von Microsoft an, dem Tabellenkalkulations-Programm Excel. Wie von Zauberhand entstanden aus Torten- und Säulendiagrammen Häuserschluchten, Fassaden, Menschen, Gesichter, Blumenwiesen und Büroszenen. Oleksij Say „malt“ mit Excel und demonstriert dem Betrachter, dass Technologien auch kulturelle Ansätze schaffen können. Die Kuratoren Jan Bunsen und Ulrike Götz aus Nürnberg betonten bei der Eröffnungsfeier der Ausstellung, dass Excel zwar das Symbol der modernen kaufmännischen Arbeitswelt sei, es dem Künstler unter Anwendung des Programms auf wunderbare Weise aber gelungen ist, sich kritisch mit unserem täglichen Leben und dem Trachten nach Wohlstand auseinanderzusetzen. Zwar habe er die Technologie zweckentfremdet, aber genau darin liege der Reiz von Excel Art. Auch der stellvertretende Botschafter der Ukraine, Dr. Vasyl Khymynets, zeigte sich von der Kunst beeindruckt. In seinem Grußwort betonte er, dass er zunächst skeptisch gewesen sei, als er von dem Projekt hörte. Aber bei seinem Besuch der Vernissage erzählte er mir, dass er im Laufe seiner diplomatischen Arbeit noch nie etwas Vergleichbares gesehen habe. Excel sei für ihn ein Bestandteil des Lebens. Er könne seine Arbeit gar nicht ohne das Programm verrichten, aber dass es durch Anwendung in der Kunst auch noch unser Leben verschönere, sei nun wirklich einmalig. Kunst rege uns zu Kreativität an, deshalb denke er ab jetzt immer an die Ausstellung, wenn er sein Excel-Programm öffne.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wie schön, dass Kunst sich in dieser Ausstellung der Kalkulierbarkeit nicht entzieht, sondern sie vielmehr als Basis nutzt. Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Betrachten der außergewöhnlichen Bilder. Und wer selber mit Excel kreativ werden möchte, der kann in der Ausstellung unter dem Motto „Create your own Excel Art“ selber digital experimentieren.

Veröffentlicht von Henrik Tesch, Direktor Politik und gesellschaftliches Engagement

Kommentar verfassen