Die digitale Revolution bei der Bundeswehr

Dirk_Bornemann_0071 1Die zunehmende Komplexität wirtschaftlicher, politischer und humanitärer Konflikte und Krisenherde zeigt, wie wichtig es ist, den Dialog mit den transatlantischen Partnern nicht nur aufrechtzuhalten, sondern zu intensivieren. Dazu soll unsere Veranstaltungsreihe „Transatlantischer Dialog“ einen Beitrag leisten. In der vergangenen Woche berichtete Volker Wieker, Generalinspekteur der Bundeswehr, im Microsoft Atrium in Berlin über die Herausforderungen für das transatlantische Bündnis. „Jedermann ist bewusst, dass diese Herausforderungen nicht allein militärisch bewältigt werden können. Sicherheit bedarf immer eines vernetzten Ansatzes“, hob Wieker im Gespräch mit dem Journalisten Udo van Kampen hervor.

Einen vernetzten Ansatz in mehrfacher Hinsicht: Zunächst durch Kooperation innerhalb der Nato. Zweitens durch die Vernetzung von militärischen Operationen, Diplomatie und humanitären Einsätzen. Und nicht zuletzt durch eine umfassende Vernetzung der Streitkräfte mit digitalen Informationssystemen, die längst auch für Bundeswehr und Nato eine Zeitenwende eingeläutet haben. Das Stichwort lautet: „Vernetzte Operationsführung“. Wie die Industrie stecken auch die Streitkräfte mitten in der digitalen Revolution – eine vernetzte Bundeswehr verändert die strategischen, militärischen und aufklärerischen Fähigkeiten des Militärs künftig fundamental. Die Vernetzung macht dabei freilich nicht an Landesgrenzen halt: Nationale Alleingänge verbieten sich in einer vernetzten Welt, die zunehmend von multipolaren Bedrohungen geprägt ist. „Vor allem die Herausforderungen im Cyber-Raum sind kein Thema für nationale Nabelschauen“, mahnte General Wieker.

Enorme Chancen durch Vernetzung und Digitalisierung
Deshalb hat die Nato bereits 2008 in der estnischen Hauptstadt Tallinn das Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence gegründet; ein Zentrum, das sich mit Fragen rund um die Kriegsführung im Internet beschäftigt. „Das ist allerdings nur der Beginn einer sehr weitreichenden Befassung mit dem Thema“, erläuterte der oberste Militär des Landes. „Und das gilt auch für die Bundeswehr, die sich bereits intensiv mit den Herausforderungen in der fünften Dimension beschäftigt.“ Nach Land, Wasser, Luft und Weltraum rückt der virtuelle Raum als fünfte Dimension auch für die Militärs immer stärker in den Fokus. Einerseits als Bedrohung: Schließlich nutzen Staaten, deren Geheimdienste und nichtstaatliche Akteure wie Terroristen das Netz für Cyberangriffe, etwa durch die Infiltration militärischer und ziviler Netze oder durch den Missbrauch sozialer Netzwerke für Propagandazwecke. Auf der anderen Seite bergen Vernetzung und Digitalisierung für die Bundeswehr und das transatlantische Bündnis enorme Chancen, erläuterte der Generalinspekteur. Sie reichen von der besseren Aufklärung in Kriegsgebieten bis hin zur vollständig vernetzten militärischen Operationsführung und dem „digital veredelten“ Infanteristen, der künftig in Echtzeit in den Informationsfluss von militärischen Einsätzen eingebunden sein wird.

Digital gestützte Sicherheitspolitik schaffe indes auch neue Abhängigkeiten von technischen Systemen, gab Wieker kritisch zu bedenken. „Die Bundeswehr ist fast täglich Ziel von Angriffen. Die Masse entdecken wir. Aber es bleibt immer eine Dunkelziffer, die man oft erst sehr viel später entdeckt“, berichtete der Generalinspekteur. Absolute Sicherheit sei eine Illusion; gleichwohl treffe die Truppe alle Vorkehrungen, um das Risiko von Cyberattacken zu minimieren.

Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt: Das berühmte Diktum des früheren Verteidigungsministers Peter Struck ist vor dem Hintergrund anhaltender Krisen im Nahen und Mittleren Osten und der wachsenden Flüchtlingsströme nach Europa aktueller denn je, wie die Diskussion mit Generalinspekteur Wieker gezeigt hat.

Veröffentlicht von Dr. Dirk Bornemann, Leiter Recht und Corporate Affairs und Mitglied der Geschäftsführung, Microsoft Deutschland GmbH

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