Berlin: Aufbruch in die digitale Ära

Dirk_Bornemann_0071 1 Der digitale Aufschwung hat Berlin längst erfasst. Alle 20 Stunden entsteht hier eine neue Digitalfirma, Berlin zieht inzwischen mehr Venture Capital an als London. „Das macht deutlich, wie attraktiv diese Stadt ist und welche Zukunftshoffnungen mit ihr verbunden werden“, zeigte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller im Microsoft Atrium Unter den Linden überzeugt. Ohne Zweifel: Die deutsche Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum digitalen Musterschüler entwickelt. Aber ist Berlin tatsächlich auf dem richtigen Weg zur digitalen Hauptstadt Europas? Im Mittelpunkt der Diskussion Müllers mit dem Journalisten Wolfram Weimer stand die Frage, wie die Politik den Aufbruch Berlins in die digitale Ära fördern kann.

Den Kern seiner digitalen Standortpolitik umschreibt Michael Müller mit einem klassischen wirtschaftspolitischen Dreisatz. So sei es für Berlin – erstens – auch in Zukunft essentiell, passende Räume für Ansiedlungen und Investitionen in die digitale Kreativwirtschaft bereitzustellen. Räume, in denen die Startup-Szene innovative Geschäftsmodelle ausprobieren kann. Und Standorte, die sich zur Vernetzung mit Forschungseinrichtungen, Startups und etablierten Unternehmen eignen. „Das ist eine wichtige wirtschaftspolitische Rahmenbedingung für Berlin“, betonte Müller. „Zunächst hört sich das zwar simpel an, es ist aber schwer. Berlin wächst derzeit um rund 40.000 Menschen pro Jahr – wir haben deshalb schon heute auf jeder grünen Wiese einen Nutzungskonflikt“, berichtet der Regierende Bürgermeister. Aufgabe des Senats sei es deshalb, diese Konflikte zu lösen, damit die Sogwirkung der Stadt auf die internationale Gründerszene erhalten bleibt. Ganz konkret leistet der Berliner Senat nach den Worten Müllers zudem – zweiter Pfeiler der Standortpolitik – einen Beitrag zur technischen und personellen Ertüchtigung der Hochschulen. Trotz ihrer angespannten Finanzlage stelle die Stadt jedes Jahr rund 100 Millionen Euro zusätzlich für Forschungseinrichtungen bereit.

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Der dritte, zugleich zentrale Leitgedanke Müllers für eine erfolgreiche digitale Standortpolitik lässt sich am besten als umfassende Vernetzung aller klugen Köpfe der Stadt begreifen. In einem Berlin 4.0 der Zukunft stellt sich der SPD-Politiker ein vernetztes Biotop aus innovativen Startups, kleineren Digitalfirmen, Zukunftslaboren von Großkonzernen und Forschungseinrichtungen vor. Berlin als Hauptstadt des Wissens, als Metropole für Technologie- und Innovationstransfer. Diesem Motiv folgt auch der Plan, 100 zusätzliche IT-Professuren an den Hochschulen einzurichten. Müller: „Ich setze auf eine kleinteilige Gründerstruktur, ich setze auf das Vernetzen von Unternehmen und Wissenschaft, und ich setze darauf, dass Großkonzerne wie Cisco, Bayer oder die Deutsche Telekom hier ihre Zukunftslabs ansiedeln.“ Mit diesem Anspruch, die Innovationsabteilungen nach Berlin zu holen, so der Regierende, kann auch die Politik den Acker mitbestellen für eine neue digitale Innovationskultur. „Damit kann Berlin punkten. Wir setzen hingegen ganz bewusst nicht auf die Ansiedelung von Dax-Konzern. Das wäre albern. Berlin sollte sich auf seine Stärken besinnen – und die Digitalwirtschaft steht dabei im Mittelpunkt.“

Veröffentlicht von Dr. Dirk Bornemann, Leiter Recht und Corporate Affairs und Mitglied der Geschäftsführung, Microsoft Deutschland GmbH

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