Arbeiten 4.0: Lebensbegleitendes Lernen ist das A und O

2014_pressebild_katja_mast_2Industrie 4.0, Arbeiten 4.0, Demografischer Wandel, Fachkräftesicherung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch mehr Flexibilität in der digitalisierten Arbeitswelt: Diese Themen sind in aller Munde. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren derzeit, wie eine digitalisierte Arbeitswelt am besten gestaltet werden sollte. Eine meiner wichtigsten Botschaften in dieser Debatte: Uns wird die Arbeit nicht ausgehen. Arbeit verändert sich bloß. Der Mensch bekommt angesichts von Robotern und Algorithmen in der Arbeitswelt neue, wenn gleich auch anspruchsvollere Aufgaben, er wird aber nicht überflüssig.

Ich bin mir sicher: Die (digitale) Zukunft der Arbeit bietet mehr Chancen als Risiken – vorausgesetzt, wir gestalten sie richtig. Das heißt allen voran: Wir müssen für Fort- und Weiterbildungen sorgen, damit Jede und Jeder mit der technischen Entwicklung beruflich mithalten kann. Viele merken es im eigenen beruflichen Alltag: Die digitale Revolution erfasst viele Teile unseres Lebens. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen sich an die Transparenz und Geschwindigkeit einer neuen, digitalen Arbeitswelt anpassen. Und das betrifft praktisch alle Berufe – von der klassischen Büro-Arbeit über Produktion, Vertrieb und Service bis hin zur IT- und Kreativ-Wirtschaft.

Die Wissenshalbwertszeit wird immer kleiner. Lebenslanges Lernen wird dabei wichtiger denn je. Arbeitnehmer werden zunehmend Beratungsangebote brauchen, um zu überprüfen, ob sie beruflich noch auf der Höhe der Zeit sind – egal, ob sie in einem Ein-Mann-Betrieb, in einem kleinen oder mittleren Unternehmen oder in einem großen Konzern arbeiten. Jede und Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich stetig weiterzuentwickeln und sich für neue Aufgaben zu qualifizieren. Deswegen müssen wir uns Gedanken machen, was eine vorsorgende Arbeits- und Sozialpolitik 4.0 hinsichtlich der Qualifizierung von Arbeitnehmern leisten muss. In der SPD diskutieren wir in diesem Kontext schon länger über die perspektivische Umgestaltung der Arbeitslosen- zu einer Arbeitsversicherung. Die Arbeitsversicherung soll in Ergänzung zu den Leistungen der bisherigen Arbeitslosenversicherung die neuen Risiken von beruflichen Übergängen und Erwerbsunterbrechungen besser absichern. Und diese Debatte bekommt in Zeiten von Arbeiten 4.0. noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Fakt ist doch: Niemand kann ein Interesse daran haben, dass ein Arbeitnehmer mit 40 oder 50 aufgrund mangelnder Qualifikationen nicht mehr am Arbeitsmarkt teilnehmen kann. Insbesondere die Unternehmen, die heute schon händeringend nach Fachkräften suchen, haben ein Interesse daran, dass Arbeitnehmer dem Arbeitsmarkt so lange wie möglich qualifiziert zur Verfügung stehen.

Die Arbeitsversicherung reagiert nicht erst bei Arbeitslosigkeit. Sie sichert in einer Arbeitswelt, die immer mehr technische Kompetenzen abverlangt und mit immer mehr Brüchen in den Erwerbsbiografien verbunden ist, durch berufsbegleitende Beratung und Weiterqualifizierung die Menschen vorsorgend ab. Die Arbeitsversicherung soll frühzeitig, langfristig und lebensbegleitend Weiterbildung und Qualifizierung fördern, damit alle Beschäftigten selbstbestimmt ihre beruflichen Ziele verwirklichen können. Hierzu sind Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten notwendig. Deswegen brauchen wir zugleich eine bessere Beratungsinfrastruktur, beispielsweise in Form einer Anlaufstelle, die die Informationen gebündelt zur Verfügung stellt. Eine Anlaufstelle, die einen risikofreien Qualifikations-Check-Up anbietet. Eine Anlaufstelle, die mir als Arbeitnehmer sagt, was für eine Fort- oder Weiterbildung ich machen kann, um Schritt zu halten und gleichzeitig wiederkehrende Chancen auf erneute Einstiege, gelingende Umstiege und mögliche Aufstiege zu eröffnen.

Das alles sind Gedanken, die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles aufwirft, wenn sie die Frage nach einer „Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung“ in den Raum wirft. Wir stehen in dieser Debatte noch am Anfang. Aber ich bin mir sicher, dass sie an Fahrt gewinnen wird. Dass mit dem Dialogprozess Arbeiten 4.0. und dem Grünbuch Arbeiten 4.0 vom Bundesarbeitsministerium jetzt ein systematischer Prozess gestartet wurde, der die wichtigsten Stakeholder, aber auch alle Bürger, die sich beteiligen wollen, miteinbezieht, ist der richtige Weg. Den Job der SPD sehe ich darin, zukünftig dafür zu sorgen, dass der Mensch bei all diesen Veränderungen nicht auf der Strecke bleibt. Und diesen Job sehe ich auch bei mir als Arbeits- und Sozialpolitikerin.

Gastbeitrag von Katja Mast, Sprecherin für Arbeit und Soziales der SPD-Bundestagsfraktion

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