Die CES wird zum Autosalon

Author: Klaus von RottkayDie Automobilbranche steckt in einem epochalen Wandel. Die Zukunft des Autos ist digital: in den kommenden Jahren wird sich die Autoindustrie durch die Digitalisierung vermutlich schneller und tiefgreifender verändern als je zuvor in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte. Wenngleich das autonome Fahren gewiss noch ein paar Jahre auf sich warten lassen wird – auf dem Beifahrersitz des Automobils hat das Internet of Things längst Platz genommen.

Auf der Consumer Electronic Show (CES) Anfang Januar in Las Vegas war der Wandel der Autobranche nicht mehr zu übersehen. Automobil- und IT-Industrie arbeiten gemeinsam mit bereits sehr konkreten Konzepten an der Zukunft der digitalen Mobilität. Connected Cars und die Integration digitaler Dienste ins Cockpit waren Topthemen auf der CES. Mehr als 150 Autohersteller und Zulieferer aus der Automobilbranche nutzten die Messe, um ihre Innovationen vorzustellen. Erstmals konnte die Autoindustrie ihre Neuheiten sogar in einer eigenen Messehalle präsentieren. Neben Smartphones, Spielkonsolen und Fernsehgeräten wird in Las Vegas heute ganz selbstverständlich auch über die digitale Zukunft des Autos gesprochen.

Das zeigt einerseits, wie sehr sich die CES, bisher als Messe für Unterhaltungselektronik bekannt, in den letzten Jahren verändert hat. Die enorme Präsenz der Autobauer in diesem Jahr dokumentiert zugleich den rasanten Wandel der Branche selbst. Die Autobauer suchen die Nähe zur digitalen Welt – und sie suchen nach gemeinsamen Lösungen mit der IT-Industrie, die ihr industrielles Geschäftsmodell in ein digitales Ökosystem einbetten. Die CES ist dabei der ideale Ort, um mit der IT-Branche ins Gespräch zu kommen und sich einem jungen und technikbegeisterten Publikum zu präsentieren. Während auf dem Genfer Auto Salon oder auf der Motorshow in Detroit ganz traditionell die neuen Karossen vorgeführt werden, entwickelt sich die CES zum Branchentreffpunkt für die digitale Zukunft. Elektromobilität, vernetztes Auto, digitale Dienste: Zukunftstechnologien werden zunehmend in Las Vegas statt in Genf diskutiert. Die CES hat sich damit von einer reinen Konsumgütermesse zusätzlich zu einem mächtigen Enabler für digitale Geschäftsmodelle in der Automobilindustrie entwickelt.

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Auch Microsoft ermöglicht neue Geschäftsmodelle durch digitale Technologie-Plattformen. Mit einer Reihe von Partnern aus der Autobranche wollen wir eine zentrale Rolle bei der Gestaltung des vernetzten Automobils spielen. Etablierte Partnerschaften mit Toyota, Ford, Qoros oder Delphi wurden auf der CES um Kooperationen mit Volvo, Nissan, dem Autospezialisten Harman und dem Berliner Engineering-Dienstleister IAV erweitert. Das Auto wird nicht länger nur Mittel zum Zweck sein, um uns von A nach B zu bringen, sondern integraler Bestandteil unseres digitalen Lebens. Microsofts Kooperation mit IAV – Hauptgesellschafter ist der VW-Konzern- ist ein gutes Beispiel, wohin die Reise geht. So konnte man auf der CES bereits Prototypen sehen, mit denen sich Anwendungen mit Windows 10 Continuum vom Smartphone oder Tablet direkt ins Armaturenbrett streamen lassen. Autofahrer können so einfach und ohne unnötige Ablenkung auf Musik, Outlook-Termine oder E-Mails zugreifen. Unterstützt werden sie dabei von der digitalen Sprachassistentin Cortana, die so zur smarten Beifahrerin wird. Mehr Sicherheit verspricht auch die von IAV entwickelte V2X-Technologie. Sie nutzt Umfeldinformationen etwa von Ampelsensoren, um gefährliche Verkehrssituationen im Vorhinein zu verhindern. So könnte ein vernetztes Auto zum Beispiel automatisch bremsen, wenn es einen Fußgänger mit einem Microsoft-Band hinter einem parkenden Auto entdeckt, den der Fahrer wegen schlechter Sicht übersehen hätte. Die technologische Grundlage dafür liefern die Cloud Computing-Plattform Microsoft Azure sowie Cortana Analytics.

Ganz praktische Anwendungen entwickelt Microsoft derzeit mit Volvo: Schon bald können Volvo-Fahrer ihre Autoheizung via Spracheingabe mit ihrem Microsoft Band aus der Ferne steuern. Die Einbindung von Office 365 wiederum steht im Mittelpunkt der Zusammenarbeit Microsofts mit dem Unternehmen Harman, das die Bürosoftware in sein Infotainment-System für vernetzte Autos integrieren wird.

Es ist offensichtlich: Die digitale Transformation in der Automobilindustrie ist in vollem Gange. Microsoft versteht sich dabei als Partner von Autoherstellern und Zulieferern. Wir belassen es keineswegs bei vagen Zukunftsvisionen zum autonomen Fahren, sondern bieten schon heute ganz konkrete Technologie-Plattformen für das digital vernetzte Automobil an. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern werden wir die nahtlose Verknüpfung von Technologie zwischen Zuhause und Büro für unsere Kunden erlebbar machen – intuitiv, sicher und mit jeder Menge Fahrspaß!

Veröffentlicht von Dr. Klaus von Rottkay, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland

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