„Wir müssen schneller und besser werden“

Annegret Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer

Bei der Veranstaltungsreihe „Digitales Deutschland“ von Microsoft begrüßte Moderator Wolfram Weimer am 1. Februar 2016 die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auf der Bühne von Microsoft Berlin. Lesen Sie hier Auszüge aus dem Gespräch:

Wolfram Weimer: Frau Kramp-Karrenbauer, das Saarland richtet dieses Jahr im Herbst den 10. Nationalen IT-Gipfel aus. Warum fiel die Wahl auf Ihr Bundesland?
Annegret Kramp-Karrenbauer: Das Saarland hat eine lange IT-Tradition. Bereits seit den siebziger Jahren beschäftigen sich saarländische Universitäten intensiv mit der Informationstechnologie. Daraus ist ein Exzellenzcluster entstanden – etwa mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), heute eine führende wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung. Im Saarland forschen rund 500 Wissenschaftler im IT-Bereich. Hinzu kommt die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern. Jeder vierte Arbeitsplatz hängt bei uns von der Automobilindustrie ab. Durch die enge Verzahnung von Industrie und Forschung entfaltet sich ein ideales Umfeld für die Wirtschaft 4.0. Der Nationale IT-Gipfel kommt also durchaus in die richtige Region.

Wolfram Weimer: Was bringt ein solcher Gipfel? Ist das eine vernünftige Sache – oder doch nur eine Showveranstaltung der Politik?
Der IT-Gipfel ist ein Stück weit natürlich auch ein Schaufenster. Hier wird ausgestellt, was sich in Wirtschaft und Forschung gerade tut. Und ja, selbstverständlich nutzen wir den Gipfel auch zur Eigenwerbung für das Saarland. Aber jenseits dessen ist der Nationale IT-Gipfel auf einem guten Weg, im IT-Bereich Maßstäbe zu setzen – so ähnlich wie die Münchner Sicherheitskonferenz für die Sicherheitspolitik. Eine solche Konferenz bietet eine hervorragende Gelegenheit, in etwas längeren Linien und größeren Zusammenhängen zu diskutieren. Denn oft springt die tages-politische Debatte gerade beim Thema Digitalisierung zu kurz.

Gilt das auch für den Breitbandausbau, sollte hier nicht mehr passieren?
Der Ausbau mit schnellen Netzen ist in der Tat entscheidend für den digitalen Wandel. Man kann sich viele interessante Geschäftsmodelle ausdenken – wenn es nicht die passende digitale Infrastruktur gibt, werden sie nicht funktionieren. Wir müssen da schneller und besser werden. Ich begrüße deshalb das Programm zum Breitbandausbau von Minister Dobrindt.

Sollten wir in Deutschland mit Blick auf die Digitalisierung nicht lieber über mehr wirtschaftliche Freiheit statt über mehr staatliche Förderprogramme nachdenken?
Für die Infrastruktur sehe ich das nicht so. Die Engpässe beim Netzausbau liegen ja dort, wo es sich für private Investoren allein nicht rechnet, vor allem also in ländlichen Regionen. Dort muss der Netzausbau mit öffentlichen Mitteln gefördert werden. Aber es stimmt: In Deutschland gibt es eine gewisse Tendenz, möglichst viel regulieren zu wollen. Ich würde mir mehr Freiräume wünschen, in denen neue Ideen ausprobiert werden können. Zum Beispiel auch mit gesetzlichen Experimentierklauseln auf Länderebene.

Sehen Sie Deutschland gut gerüstet für die digitale Zukunft?
Wir müssen deutlich machen, dass die Digitalisierung nicht nur ein Thema für die großen Konzerne ist, sondern jeden kleinen Mittelständler betrifft. Das ist noch nicht hinreichend in den Köpfen angekommen. Unsere Stärke liegt darin, die klassische Industrie mit der digitalen Welt zu verbinden. Darauf sollten wir uns konzentrieren. Wir haben die Zukunft selbst in der Hand. Dafür müssen wir jetzt die Weichen richtig stellen.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Würden Sie sich als Early Adopter neuer Technologien bezeichnen?
Nein, ich bin da eher altmodisch. Ich brauche Stift und Papier, damit die Dinge den Weg in mein Gehirn und Gedächtnis finden. Ich habe ganze Sammlungen von schwarzen Notizbüchern, in die ich reinschreibe, was ich digital lese. Aber natürlich bin ich auch viel online unterwegs – ich nutze zum Beispiel regelmäßig Facebook und Twitter als Kommunikationskanäle.

Frau Kramp-Karrenbauer, vielen Dank für das Gespräch.

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