Digitalisierung fördert gesellschaftliches Engagement

Franz-Reinhard Habbel

Franz-Reinhard Habbel

Neben der Daseinsvorsorge ist es für die Kommunen lebenswichtig, die Zivilgesellschaft zu stärken. Wegen ihrer demokratiefördernden Tätigkeit halte ich die Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen für elementar. Denn unsere Gesellschaft verändert sich: Globalisierung, Digitalisierung und Urbanisierung treiben den Wandel mit schnellen Schritten voran. Hinzu kommen die demografische Entwicklung und zunehmende Migrationsbewegungen.

So wird die voranschreitende Digitalisierung auch zur Steigerung des zivilgesellschaftlichen Engagements führen: schon jetzt engagieren sich so viele Menschen für das Gemeinwesen, dass man von einer digitalen Ehrenamtsarbeit sprechen kann. Und ich sehe am Horizont einen weiteren Megatrend entstehen, die „Glodigalisierung“. Damit meine ich eine Mischung aus Globalisierung und Digitalisierung. Beides kennt keine Grenzen, alles ist mit allem verbunden, und alles, was digital werden kann, wird auch digital. Allein zwei Milliarden Menschen weltweit nutzen Smartphones, sie sind die Fernbedienung zur Welt.

Vernetzung mit Staat und Kommunen
Der digitale Wandel macht aber auch vor dem Staat und den Kommunen nicht halt. Will der öffentliche Sektor seine Steuerungsfähigkeit und seinen Gestaltungsraum behalten, muss er sich neu vernetzen. Doch er tut sich schwer damit, das in der Vergangenheit Bewährte zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Deshalb brauchen wir auch im öffentlichen Sektor mehr Disruption: wir müssen uns fragen, ob es völlig andere als vermeintlich bewährte Lösungswege gibt.

Wie diese Lösungen aussehen können? Staat, Wirtschaft und Gesellschaft müssen eine neue Balance finden. Dabei wird die Bedeutung der Zivilgesellschaft zunehmen, denn zivilgesellschaftliche Organisationen sichern den sozialen Frieden in unserem Land. Sie nutzen die sozialen Netzwerke zur blitzschnellen Kommunikation, beispielsweise in der Flüchtlingshilfe. Auf diesem Feld wären Staat und Kommunen ohne ehrenamtliche Unterstützung längst am Ende.

Gesellschaft 4.0
Die meisten Flüchtlinge haben Smartphones, doch wenn sie in Deutschland ankommen, können sie es nicht nutzen, da sie eine Infrastruktur wie Steckdosen und ein Funknetz brauchen. Es geht also nicht nur um Industrie 4.0, sondern auch um Gesellschaft 4.0. Denn auch die Zivilgesellschaft muss sich ändern, indem die Lebenswelt schneller reflektiert wird und daraus Schlüsse gezogen werden. Hierbei darf das politische System aber nicht nur hinterherlaufen, sondern muss Innovation als eine ständige Aufgabe sehen – im öffentlichen und im zivilgesellschaftlichen Sektor. Denn IT macht selbstbewusst, stärkt die Selbstorganisation und damit den Einzelnen.

Die Gesellschaft 4.0 ist auf Daten angewiesen, um damit ihre Handlungsspielräume erweitern zu können und für Analysen und neue Angebote zu nutzen. Hier sind die Kommunen gefordert, Bürgern Daten zur Verfügung zu stellen und sich zu Datenmanagern zu entwickeln, damit politisches und wirtschaftliches Handeln transparent wird. Die Gesellschaft 4.0 wird also zum Wandelgestalter, Potenziale-Entdecker und Beziehungsmanager. Sie unterstützt die Selbstorganisation und verwirklicht die Bürgergesellschaft.

Die Bürgergesellschaft ist das Ziel
Der neue Weg zur Bürgergesellschaft entsteht durch eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen Staat, Kommunen und Zivilgesellschaft. Dazu müssen Staat und Kommunen Rahmenbedingungen schaffen für neue Formen von Kooperationen, sowohl innerhalb der Zivilgesellschaft als auch mit kommunalen und staatlichen Einrichtungen. Sie müssen der Zivilgesellschaft eine Selbstorganisation ermöglichen, damit diese ihre Belange effizient und wirkungsvoll selbst in die Hand nehmen und sich in Netzwerken organisieren kann. Durch diese Handlungsfreiheiten wiederum ergeben sich immer wieder neue Potenziale, deren Vielfalt uns kreativ wachsen und Probleme lösen lässt – damit die Glodigalisierung niemanden auf der Strecke lässt.

Gastbeitrag von Franz-Reinhard Habbel, Sprecher Deutscher Städte- und Gemeindebund, zum Technologie- und Trendtag von Microsoft

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