Die Digitalisierung als Entwicklungshelfer

Author: Dirk Bornemann

Dirk Bornemann

Die gute Nachricht zuerst: Mehr als drei Milliarden Menschen weltweit haben heute Zugang zum Internet. Zwei Milliarden davon, also rund zwei Drittel, leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Vor einer Dekade war das Verhältnis noch umgekehrt. Binnen zehn Jahren hat sich die Zahl der Internetnutzer damit verdreifacht, meldet die Weltbank. „Die simple Vorstellung von einer digitalen Kluft zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden ist so nicht mehr richtig“, sagte Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, im Microsoft Atrium Unter den Linden. „Afrika gehört zu den am schnellsten wachsenden Informations- und Kommunikationsmärkten der Welt“, hob der CSU-Politiker im Gespräch mit dem Verleger Wolfram Weimer hervor.

Zugleich bedeutet das aber auch: Wenn gut drei Milliarden Menschen online sind, bleiben mehr als vier Milliarden Menschen oder 60 Prozent der Menschheit von den Chancen der digitalen Transformation noch immer ausgeschlossen. Vor allem die Entwicklungsländer laufen Gefahr, ohne den digitalen Wandel Fortschritt und Entwicklungschancen zu verpassen. Die Weltbank warnt deshalb eindringlich vor einer „digitalen Kluft“ und einer „neuen sozial benachteiligten Klasse“. Gerd Müller sieht das Risiko. Der Minister ist aber optimistisch, dass technische Innovationen profunde Hilfe bringen. „Wir haben die Lösungen für die Überlebensfragen der Menschheit.“ Die digitale Agenda der Bundesregierung sieht vor, die Digitalisierung als wichtigen Baustein für die Entwicklungszusammenarbeit zu nutzen. Durch IKT können nachhaltige Entwicklungsziele schneller und wirksamer erreicht werden.

Technologische Innovationen haben die Entwicklungshilfe bereits nachhaltig verändert. „Ich komme heute nicht mehr mit dem Geldbeutel und bohre ein paar Brunnen. Wir exportieren Innovationen, Knowhow und Technologiepartnerschaft“, berichtet Müller. Zentrale Bedeutung kommt dabei den digitalen Technologien zu. „Wir wären ja nicht auf der Höhe der Zeit, wenn wir die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht auch für die Entwicklungshilfe nutzen würden“, sagt Müller.

Mehr Teilhabe durch Digitalisierung
Digitale Technologien sind ein mächtiger Hebel für mehr Teilhabe, Transparenz und wirtschaftliches Wachstum. So können sich zum Beispiel Bauern in Uganda heute aktuelle Marktpreise für landwirtschaftliche Produkte ganz einfach auf ihr Smartphone holen – und damit faire Erlöse erzielen. Digitale Stromzähler und mobile Zahlungssysteme bringen mehr als 20 000 Haushalten in Tansania und Ruanda eine netzunabhängige Stromversorgung durch Solaranlagen. Und auch auf die Zusammenarbeit in der Entwicklungshilfe hat die Digitalisierung schon weitreichende Auswirkungen. Dank Rückmeldungen über Social-Media-Kanäle kann zum Beispiel geprüft werden, ob die Finanzierung eines Projekts zur Wasserversorgung den Betroffenen tatsächlich besseres Wasser bringt, berichtet das Ministerium. Kurzum: Digitale Technologien fördern die Landwirtschaft, die Bildung, Gesundheit und Teilhabe. Sie fördern das Wachstum und bringen bessere Dienstleistungen und mehr Arbeitsplätze.

Noch sind die positiven Wirkungen der digitalen Transformation allerdings sehr ungleich verteilt, moniert die Weltbank. Das Grundproblem ist die vielerorts fehlende Netzinfrastruktur. Während in Kenia beispielsweise rund 70 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Netz haben, kommen in Eritrea, Niger und im Tschad nur ein bis drei Prozent der Menschen überhaupt ins Internet. Das verdeutlicht die gewaltige digitale Kluft, die sich allein innerhalb des afrikanischen Kontinentes auftut. Im September vergangenen Jahres haben die UN in ihrer „Agenda 2030“ 17 globale Ziele für eine nachhaltige Entwicklung wie den Kampf gegen Armut und Hunger formuliert. Daten und Cloud Computing werden bei der Realisierung dieser Ziele eine zentrale Rolle spielen. Wir sollten deshalb gemeinsam daran arbeiten, die digitale Kluft in eine digitale Dividende zu transformieren. „Eine Welt ohne Hunger ist möglich – innerhalb der nächsten 20 Jahre“, sagt Müller. „Wir haben die Technologie. Und es wäre Mord, wenn wir sie nicht dafür einsetzen.“

Veröffentlicht von Dr. Dirk Bornemann, Leiter Corporate, External and Legal Affairs und Mitglied der Geschäftsführung, Microsoft Deutschland GmbH

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