Die Lehrer sind unsere einzige Chance

Renate Radon

Renate Radon

Letze Woche fand in Berlin der 6. internationale Bildungsgipfel statt. Im Fokus standen die Lehrkräfte. Zu Recht, wie ich finde, denn bei der zunehmenden Digitalisierung des Bildungswesens tragen sie das Potential neuer Medien und digitaler Lernformate in die Klassenräume und machen es nutzbar. Aus gegebenem Anlass diskutierte ich bei einem von Inger Paus moderierten Lunch Talk mit Experten aus Politik und Bildung deshalb die Frage, welche Rolle Lehrer in einem zunehmend digitalisierten Bildungssystem spielen und inwieweit sie hierauf vorbereitet sind.

Eine von uns in Auftrag gegebene YouGov-Umfrage zeigt: Eher nicht. Obwohl viele Lehrer bereits digitale Medien im Unterricht einsetzen, halten nur acht Prozent der Schüler die Mehrheit ihrer Lehrer für sehr kompetent im Umgang mit digitalen Medien. In der Konsequenz fühlen sich nur 17 Prozent der Schüler von ihren Lehrern auf die Anforderungen einer digitalen Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet. Diese traurige Bilanz bestätigt auch die Wahrnehmung von Dr. Irene Seling, stellvertretende Abteilungsleiterin Bildung, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Sie spricht vom digitalen Analphabetentum unter den Digital Natives: „Digital heißt nicht Daddeln: Viele Auszubildende müssen erst einmal den produktiven Einsatz von IT lernen.“

Wie sich der Umgang mit digitalen Medien bereits heute in den Unterricht einbinden lässt, berichtete die Gesamtschullehrerin Miriam Gronert aus Oranienbaum-Wörlitz, die in ihrem Unterricht bereits intensiv soziale Medien nutzt, wie etwa Facebook und Twitter. Aktuell experimentiert sie mit dem Onlinespiel Minecraft in ihrer Klasse: „Ich möchte Vorbild für meine Schüler sein – auch im digitalen Leben. Ich will offen für Neues sein und bin bereit, dazuzulernen.“

Dabei geht es auch um den Austausch zwischen Lehrern: Digitale Medien sind Mittel zum Zweck, um Lernerfolge zu erhöhen und zu motivieren. Lehrer müssen daher wissen, wie sie diese Mittel gezielt einsetzen. Deshalb haben wir mit „Besser lernen. Für alle.“ eine Plattform geschaffen, auf der Microsoft sein breites Bildungsangebot bündelt: Von der frühkindlichen Erziehung im Kindergarten über die Grundschule bis hin zur Hochschule und beruflichen Weiterbildung gibt es hier Informationen zu allen Stationen des lebenslangen Lernens sowie neuen Medien und modernen Lernkonzepten.

Lars Kraft, Leiter des 2. Schulpraktischen Seminars Berlin-Mitte, hat einen guten Überblick über die Schullandschaft der Hauptstadt: Er berichtet, dass die Schulen bei der Digitalisierung in unterschiedlicher Geschwindigkeit unterwegs sind und hält viele schlicht für überfordert oder organisatorisch überlastet. Seine Forderung: „Wir brauchen Verwaltungs- und Finanzressourcen, um die Schulen in der digitalen Entwicklung zu unterstützen.“

Zustimmung erhielt er darin von Prof. Dr. Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaften und Medienpädagogik an der Universität Mainz. Eine Hürde für die durchgreifende Digitalisierung des Bildungswesens sieht Stefan Aufenanger darin, dass es keine länderübergreifenden Standards in der Lehrerausbildung hinsichtlich digitaler Medien gibt. Und auch an den Hochschulen muss sich einiges tun. Einige Professoren verbieten immer noch, Vorlesungen auf Notebooks mitzuschreiben: „Das heißt: Viele Lehrer haben es einfach selbst nie anders gelernt.“

Auch ich bin der Meinung, dass wir in den Schulen die Freude am Explorieren vermitteln müssen. Dies erfordert Offenheit gegenüber Technologien, die Bereitschaft, sich beständig neues Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Das gilt für die Schüler – aber umso mehr für die Lehrer. Dr. Irene Seling brachte es auf den Punkt: „Die Lehrer sind unsere einzige Chance, die Digitalisierung des Bildungswesens voranzubringen.“

Veröffentlicht von Renate Radon, Senior Director Public Sector und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland

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