Kultusministerkonferenz: Deutschland auf dem Weg zur digitalen Bildungsrepublik

Renate_RadonDigital lernen: Deutschland muss Nachsitzen“ titelte letzte Woche detektor.fm im Rahmen des 4. nationalen MINT-Forums. Hier forderte auch Bundeskanzlerin Merkel, dass der „Zugang zum Internet so selbstverständlich sein muss wie Zugang zu Wasser.“, Gesche Joost, Professorin an der Berliner Universität der Künste und Leiterin des dortigen Design Research Lab warnte vor der digitalen Spaltung in der deutschen Bildung und Experten forderten Pflichtzeiten für digitale Bildung und Informatik im Unterricht. All diese Anregungen fließen nun mit ein, wenn die Kultusminister der Länder in diesen Tagen in Fachanhörungen und Diskussionen den Rohentwurf ihrer Strategie zur „Bildung in der digitalen Welt“ auf den Prüfstand stellen.

Diese Strategie soll bis Ende des Jahres von den Kultusministern verabschiedet werden. Dazu begrüße ich es, dass die KMK bereits jetzt einen ersten Entwurf vorlegt und diesen in einem Stakeholder Dialog auch offen diskutiert, denn um bei der Modernisierung der Bildung in Deutschland voranzukommen, brauchen wir die Zusammenarbeit aller Stakeholder in Politik, Bildungssektor und Wirtschaft. Microsoft und zahlreiche Partner unserer Initiative Digitaler Bildungspakt beteiligen sich ebenfalls am Dialogprozess mit der KMK, auch abseits der großen Bühne, etwa auf Online-Plattformen, mit ihrem konkreten Engagement bei der Lehrerausbildung oder an Schulen.

Wir sind uns alle einig: Für das Digitale Wirtschaftswunder brauchen wir digitale Qualifizierung, doch die Ergebnisse des aktuellen MINT-Reports und ältere Studien wie ICILS und PISA zeigen momentan eine andere Entwicklung, der wir mit der neuen Bildungs-Strategie etwas entgegensetzen müssen. Dem Entwurf der Kultusminister liegt dazu ein umfassendes und modernes Verständnis von Kompetenzen in einer digitalen Welt zugrunde. So soll die digitale Bildung generell in pädagogische Konzepte eingebunden werden, in denen das Lernen im Vordergrund steht. Das Konzept zielt außerdem auf sechs Handlungsfelder ab; erstens die Bildungspläne und Unterrichtsentwicklung sowie curriculare Entwicklungen; Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden; Infrastruktur und Ausstattung; Bildungsmedien und Content; E-Government, Schulverwaltungs-Programme, Bildungs- und Campus-Managementsysteme; sowie sechstens die rechtlichen und funktionalen Rahmenbedingungen.

Der Strategie-Entwurf geht bereits sehr konkret auf die Anforderungen an Lehrpläne oder die Aus- und Weiterbildung von Pädagogen und Lehrkräften ein, klammert aber wichtige Fragen wie Infrastruktur, Finanzierung und Verwaltung noch aus. Verständlich, dass man diese Fragen in einem gesonderten Prozess mit kommunalen Spitzenvertretern klären möchte, schließlich spielen die Kommunen bei der praktischen Umsetzung aller Vorhaben eine entscheidende Rolle.

Neben den Themen Bildungsinhalte, Lernmitteln oder Aus- und Weiterbildung ist für Microsoft die also entscheidende Frage, ob die KMK-Strategie die Grundlage für ein modernes Bildungsmanagement in Deutschland legen wird, das Verwaltung und Schulen, Lehrende, Lernende und Eltern miteinander vernetzt. Die damit verbundenen Fragen des Datenschutzes sind häufig noch eine scheinbar unüberwindliche Hürde. Das lässt sich beispielsweise an den Diskussionen erkennen, die Pilotprojekte wie das digitale Klassenbuch (Berlin) auslösen. Diese Debatte mit Schulträgern, Datenschützern, Sozialpartnern und Eltern müssen wir konstruktiv führen. Letztlich wird sich auch zeigen, ob die Strategie den Praxistest besteht, nämlich dann, wenn es um die Freiheit von Bund, Ländern und Kommunen gehen wird, die Visionen der KMK für bessere Bildung in einer digitalen Welt auch zu finanzieren.

Veröffentlicht von Renate Radon, Senior Director Public Sector, Microsoft Deutschland

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