Das Auto wird zum rollenden Rechenzentrum

Author: Dirk BornemannAlle sind digital, überall und jederzeit: Während das Smartphone längst zur Schaltzentrale des modernen Lebens geworden ist, entwickelt sich jetzt auch das Auto zum festen Bestandteil der digitalen Welt. Die Automobilindustrie hat sich aufgemacht in die digitale Ära, die Branche steckt inmitten des größten Umbruchs ihrer Geschichte. „Autos werden immer mehr zu rollenden Computern, zu Rechenzentren auf Rädern“, sagte Karl-Thomas Neumann, Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, beim Transatlantischen Dialog im Microsoft Atrium Unter den Linden. Die Branche wird sich nach Einschätzung des Opel-Managers in den nächsten fünf Jahren schneller verändern als in den fünf Jahrzehnten zuvor.

Die Digitalisierung löst somit einen epochalen Wandel in der Automobilindustrie aus. „Ihr Rechnung zu tragen ist keine Option, sondern eine absolute Notwendigkeit“, erklärte Neumann im Gespräch mit dem Moderator Udo van Kam-pen. Pro Stunde Autofahrt entstehen bereits heute zehn Gigabyte Daten, die für einen effizienten, bequemen und sicheren Verkehrsfluss genutzt werden können. „Wir wollen Treiber der Digitalisierung sein, nicht Getriebener. Dabei können wir von Technologieunternehmen wie Microsoft lernen – sie stoßen neue Denkrichtungen an.“ Denn die Entwicklung und Produktion von Autos reicht künftig nicht mehr aus, um im zunehmend härteren und von immer schnelleren Innovationszyklen geprägten Wettbewerb bestehen zu können. Automobilhersteller wandeln sich zu Mobilitätsanbietern. Neumann, der auch Vorsitzender der Geschäftsführung der Opel Group ist, welche die Geschäfte der US-Muttergesellschaft GM in Europa bündelt, identifiziert vier technologiegetriebe-ne Megatrends, welche die Zukunft der Automobilindustrie prägen werden.

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Erstens: Die Elektromobilität. Noch sind Elektroautos für den Massenmarkt zwar zu teuer. In der Gesamtschau mit den drei weiteren Megatrends Vernetztes Fahren, Carsharing und Autonomes Fahren sieht der Opel-Chef indes schon heute vielversprechende Einsatzmöglichkeiten für Elektroantriebe. „Eine Stufe weiter sind wir schon beim vernetzten Auto.“ Opel-Fahrer werden vom digitalen Assistenten OnStar unterstützt, das soll den Verkehr schneller und sicherer machen. In den USA und Asien ist das System schon seit Jahren in Betrieb. „Aus meiner Sicht ist OnStar deshalb ein Paradebeispiel dafür, wie in einem internationalen Konzern Synergien und Größenvorteile transatlantisch sinnvoll ausgenutzt werden“, so Neumann. Lokale Besonderheit in Europa: Hier haben Kunden wegen des größeren Bedürfnisses nach Datenschutz die Möglichkeit, mit einer „Privat-Taste“ die Aufzeichnung von Bewegungsdaten zu stoppen. „Ich bin Optimist: Technologien rund ums vernetzte Auto bieten immense Geschäfts-potenziale“, sagte Neumann. Bereits 2025 soll Studien zufolge jedes neu verkaufte Auto vernetzt sei, das jährliche Marktvolumen mit digitalem Auto-Content dürfte bis dahin auf rund 500 Milliarden Euro steigen. „Automobilhersteller müssen deshalb lernen, solchen neuen digitalen Geschäftsmöglichkeiten die Tür zu öffnen“, analysiert der Opel-Manager. „Das vernetzte Auto bedeutet einen Paradigmenwechsel, der zu tiefgreifenden Veränderungen in der Branche führen wird.“ Ähnliches gilt für Carsharing und Ridesharing: GM rechnet bis 2020 mit weltweit mehr als 26 Millionen Nutzern von alternativen Mobilitätsdiensten. Die GM-Partnerschaft mit der Plattform Lyft, die eigene GM-Carsharing-Flotte Maven und der Opel-Dienst CarUnity dokumentieren, wie ernst der Konzern das Thema nimmt. „Auch hier profitieren wir von der engen transatlantischen Beziehung“, betonte Neumann.

Die Ausführungen des Auto-Managers zeigen: Auf dem Beifahrersitz hat das Internet schon Platz genommen. In Zukunft werden digitale Technologien aber auch das Steuer selbst in die Hand nehmen. „Das autonome Fahrzeug wird kommen – und zwar schneller, als manche glauben“, prophezeit Neumann. In 15 Jahren könnte jedes fünfte Auto ohne Fahrer und Lenkrad auskommen, sagen Studien voraus. Die „Vision Zero“ nimmt damit Gestalt an – der Traum von einem Straßenverkehr ohne Tote. Das digitale Zeitalter verändert Mobilität und Verkehrssysteme grund-legend. „Und wir stehen erst am Anfang einer spannenden und komplexen Entwicklung“, zeigte sich Neumann überzeugt.

Veröffentlicht von Dr. Dirk Bornemann, Leiter Corporate, External and Legal Affairs und Mitglied der Geschäftsführung, Microsoft Deutschland GmbH

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