KMK-Strategie „Bildung in einer digitalen Welt“

Renate_RadonEins haben die Themen „Bildung“ und „Digitalisierung“ gemeinsam: Sie haben zurzeit Hochkonjunktur. Spätestens, seitdem die Bundesregierung Bildung zum Fokusthema des aktuellen IT-Gipfel-Prozesses ausgerufen hat, ist klargeworden: Bildung im 21. Jahrhundert, Bildung in einer Welt, die sich durch Digitalisierung in enormen Tempo verändert, ist eines der wichtigsten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Handlungsfelder der Politik geworden. Die Kultusminister der Bundesländer haben sich deshalb folgerichtig die Entwicklung einer „Strategie für Bildung in einer digitalen Welt“ auf die Agenda gesetzt und dies zur nationalen Aufgabe erklärt.

Mehr noch: Die Kultusminister haben sich entschieden, die Strategie in einem offenen Dialogprozess zu entwickeln, und zwar nicht nur mit Bildungsexperten, sondern auch mit Praktikern aus der Wirtschaft. Das finde ich mutig und richtungsweisend. Denn nur im Dialog mit allen relevanten Stakeholdern können heutzutage Strategien für die digitale Transformation zentraler gesellschaftlicher Bereiche wie der Bildung entwickelt werden, die langfristig tragfähig sind. Microsoft Deutschland wurde gebeten, den Strategieentwurf der Kultusministerkonferenz (KMK) zu kommentieren. Diese Chance haben wir sehr gerne wahrgenommen. Wir glauben, dass die Entwicklung des Bildungssystems, das auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Teilhabe in einer digitalen Welt vorbereiten soll, nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller gesellschaftlicher Stakeholder gelingen kann.

Deshalb haben wir Ende 2015 aufgerufen, einen digitalen Bildungspakt zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu schließen. Mittlerweile haben sich eine ganze Reihe von Verbänden und Initiativen zusammengetan, um konkrete Handlungsempfehlungen für einen digitalen Bildungspakt auszuarbeiten. Zu den Partnern zählen u.a. das Bündnis für Bildung, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, die Gesellschaft für Informatik, die Initiativen D21 und Deutschland sicher im Netz, die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia, der Bundesverband mittelständische Wirtschaft, der Unternehmerverband Berlin-Brandenburg, das Institute of Electronic Business, der Volkshochschulverband sowie der Stifterverband. Die Eckpunkte eines digitalen Bildungspakts werden die Partner noch vor dem IT-Gipfel 2016 öffentlich vorstellen.

Hier die wichtigsten Punkte aus der Stellungnahme von Microsoft zur KMK-Strategie:

  1. Bildungspakt zum IT-Gipfel schließen: Um der Bedeutung von Bildung als zentralem gesellschafts- und wirtschaftspolitischem Handlungsfeld langfristig gerecht zu werden, regen wir die Ankündigung eines Bildungspaktes als Allianz zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zum IT-Gipfel 2016 an.
  2. Nationales Investitionsprogramm verabschieden: Bund, Länder und Kommunen sollten als harten Kern des Bildungspakts ein gemeinsames Investitionsprogramm für die digitale Transformation des Bildungswesens aufsetzen.
  3. Potenzial von Cloud-Lösungen für Bildung nutzen: Wir regen an, dass die KMK sich intensiv mit dem Potential von Cloud-basierten Infrastrukturen und Services im Bildungssektor, insbesondere im schulischen Bereich, auseinandersetzt und untersuchen lässt, wie sich der Einsatz von Cloud-Services auf Aspekte wie Ressourcen-Effizienz, zeit- und ortsunabhängiges Lernen, Vernetzung von Bildungsakteuern, individualisiertes Lernen und rechtliche Aspekte wie Datenschutz und Datensicherheit auswirkt.
  4. Datenschutz neu denken und Datensicherheit mitdenken: Wir halten es für notwendig, länderübergreifende Rahmenbedingungen und Mindestanforderungen für den Austausch und die Nutzung von personenbezogenen Daten zwischen Schulverwaltungssystemen, Lernplattformen bzw. Lernsoftware zu definieren. Wir regen darüber hinaus an, bei der weiteren Entwicklung der KMK-Strategie auch mehr Fokus auf das Themen Datensicherheit bzw. Sicherheit der verwendeten IT-Systeme zu legen, da Datenschutz zwingend mit Datensicherheit verbunden ist.
  5. Frühkindliche Bildung gestalten: Angesichts der Tatsache, dass die Weichen für einen erfolgreichen Bildungsweg bereits vor der Grundschule gestellt werden, empfehlen wir, den frühkindlichen Bereich, d.h. Kitas und Kindergärten wie auch die Elternarbeit, als strategische Säule in die KMK-Strategie mit aufzunehmen.
  6. Informatorisches Grundwissen bereits ab Grundschule vermitteln: Schülerinnen und Schüler müssen verstehen, wie Informationstechnologie funktioniert und welche Auswirkungen sie auf den Einzelnen und die Gesellschaft hat, um sie idealerweise künftig auch selbst gestalten können. Wir plädieren deshalb dafür, Schülerinnen und Schülern frühzeitig, und zwar bereits ab der Grundstufe, fächerübergreifend informatorisches Grundwissen zu vermittelten und dieses in den einzelnen Fächern auch anzuwenden.
  7. Akzeptanz für Bildungspartnerschaften schaffen: Wir halten es für essentiell für das Gelingen der Strategie „Bildung in einer digitalen Welt“, dass die KMK sich auch für eine Erhöhung der Akzeptanz von Bildungspartnerschaften zwischen öffentlichen Institutionen und Wirtschaftsunternehmen wie auch zivilgesellschaftlichen Organisationen einsetzt. Um die Akzeptanz unter Entscheidern in Politik, Schulen sowie bei Eltern und Schülern zu verbessern, regen wir die Entwicklung eines „Code of Conduct“ für Bildungspartnerschaften an.

 
Die ausführliche Kommentierung der KMK-Strategie finden Sie hier.

Veröffentlicht von Renate Radon, Senior Director Public Sector, Microsoft Deutschland und Mitglied der Geschäftsleitung

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