Wie „Texteroboter“ Branchen, Arbeitsprozesse und Berufsbilder verändern

Saim Alkan, AX Semantics

Saim Alkan, AX Semantics

Auf der Digitalkonferenz Explained hat Saim Rolf Alkan, Geschäftsführer AX Semantics, mit uns die Datenbeziehungen der Zukunft diskutiert. In diesem Blogbeitrag geht er einer der aktuell sichtbarsten technologischen Entwicklungen auf den Grund: Schon heute werden täglich hunderttausende Texte nicht originär von Menschen, sondern von Software generiert und veröffentlicht. Was hat das für einen Einfluss auf Berufsfelder wie den Journalismus und den E-Commerce? Was sind künftige Entwicklungen und Einsatzgebiete?

Steht der Markt für Content- Strategien vor einem erneuten Umbruch, wie man ihn vor nicht allzu langer Zeit durch Clickworker und Crowdsourcing erlebt hat? Ich glaube fest an einen Paradigmenwechsel im Content Marketing.

Es gibt ein neues Zauberwort in der Welt des Online-Marketings: „Natural Language Generation“ kurz NLG, im Deutschen etwas sperrig „Natürlichsprachliche Textgenerierung“. Darunter versteht man die automatisierte Erzeugung von Sprache und Texten.

Die Grundlagen dieser Technologie werden in der Computer-Linguistik entwickelt, einer relativ neuen Wissenschaft, die sich der maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache widmet. Die praktische Umsetzung der Computer-Linguistik ist mittlerweile im Mainstream der Contentverleger und E-Tailment-Manager angekommen. Schnell, präzise, fehlerfrei, abwechslungsreich und im Gegensatz zum Menschen unermüdlich sind diese Anwendungen. Und obendrein in der Lage, Inhalte in Sekundenbruchteilen in vielen Sprachen zu generieren.

Science Fiction? Keineswegs. Schon heute werden täglich hunderttausende Texte nicht originär von Menschen, sondern von Software generiert und veröffentlicht. Vor allem Texte wie Sportmeldungen, Produktbeschreibungen, Wetterberichte, Börsenticker, individualisierte Textnachrichten und Chatbots bis hin zum Geschäftsbericht werden nicht mehr von Menschen, sondern von Software verfasst. Dank des Megatrends „Big Data“ eröffnen sich in schneller Folge neue Anwendungsgebiete für NLG. Überall dort, wo Daten in strukturierter Form vorliegen, kann und wird eine NLG-Software zum Einsatz kommen und in Sekundenbruchteilen Texte generieren und veröffentlichen.

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Ich möchte Ihnen 5 Gründe nennen, warum sich der Umgang mit Content in den nächsten Jahren drastisch verändern wird:

  1. Textautomatisierung ermöglicht Nischencoverage
    Wie sich an den Trends der letzten Jahre ablesen lässt, wird die Anzahl der Texte im Internet in den nächsten Jahren exponentiell zunehmen. Das wird jedoch nicht dazu führen, dass der einzelne Leser im Content-Chaos versinken wird, wie einige negative Stimmen verlauten lassen. Vielmehr werden die Leser von der Zunahme profitieren, denn jetzt können sie selbst für Nischenprodukte umfangreiche Produktbeschreibungen bekommen oder ausführliche Texte zu Special-Interest-Themen lesen, die aufgrund der Ressourcen-Knappheit bisher schlicht nicht verfasst wurden. Jedes Tierchen erhält in Zukunft wirklich sein Pläsierchen.
  2. Inhalte werden personalisierter
    Hier spielt wie beschrieben der Megatrend Big Data der Textautomatisierung in die Hände. Die strukturierte Erfassung und Kombination von Kunden-, Produkt- und Nachrichtendaten ermöglicht es im zunehmenden Maße, passgenaue Einzeltexte zu generieren. So ist der Weg zur individualisierten Nachrichten- oder E-Commerce-Seite geebnet. Rein technisch wäre die Umsetzung schon heute möglich, noch stehen dem aber zu hohe Latenzen im Weg, auch wenn diese im Sekundenbereich liegen.
  3. Internationalisierung wird voranschreiten
    Zahlreiche Anbieter von NLG-Software bieten ihren Kunden bereits heute die Möglichkeit, ihre Inhalte in mehreren Sprachen zu erzeugen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es sich nicht um einen automatisierten Übersetzungsvorgang handelt, wie ihn z.B. „Google Translate“ präsentiert. Stattdessen bietet die NLG Software für alle Sprachen „muttersprachliche“ Konditionen: Sie generiert die jeweiligen Texte direkt in der gewünschten Zielsprache ohne den Umweg über eine andere Sprache. Der ressourcenintensive Übersetzungsvorgang, der bei der Lokalisierung häufig ein Flaschenhals war, spielt nun keine Rolle mehr. Lokalisierungsbestrebungen werden somit ungemein beschleunigt.
  4. Selbstoptimierende Inhalte
    Die Erfahrungen im „machine learning“ zeigen: Je stärker sich die Systeme verknüpfen, desto intelligenter werden sie. Bezieht man beispielsweise performanceorientierte Daten in die NLG-Software ein, kann sich der Prozess der Textautomatisierung selbst trainieren und verbessern. Die Texte werden immer präziser und besser darin, den Kaufentscheidungsprozess von Nutzern und Lesern stärker zu unterstützen. Das übliche A/B-Testing wird damit überflüssig, da es ja Teil des automatisierten Content-Erstellungsprozesses ist.
  5. Agilität in der Content Produktion
    Die Content Produktion wird agiler und passt sich den Anforderungen des Marktes besser an: Keine monatelange Arbeit an riesigen Contentprojekten mit der Produktion monolithischer Textwerke mehr, stattdessen stellt die Content Produktion einen kontinuierlichen Prozess dar, in dem bestehende Inhalte kontinuierlich weiterentwickelt und den Umfeldbedingungen angepasst werden.

In der aktuellen Diskussion rund um die Textautomatisierung verfallen begreiflicherweise nicht alle Berufsgruppen unisono in Jubelarien. Einige Skeptiker sehen in der Verbreitung derartiger Software sogar eine Bedrohung für ganze Berufsstände, die bisher von der Produktion von Texten (ganz gut) gelebt haben. Die meisten Branchenfachleute mit denen ich gesprochen habe, stehen dem Thema aber relativ aufgeschlossen gegenüber. Sie sehen solche Systeme als willkommene Bereicherung ihrer Arbeit an und treiben den Perspektivenwechsel voran. In Zukunft werden Redakteure, Journalisten und Texter Hand in Hand mit Software arbeiten, die ihnen Inhalte auf der Basis strukturierter Daten liefert. Solche Inhalte lassen sich wiederum von Menschen mit Informationen und Inhalten anreichern, die sich eben nicht aus Daten ableiten lassen: Emotionen, Beurteilungen, Spekulationen über die Zukunft – die Maschinen können (noch?) nicht alles. Dieses Zusammenspiel von Mensch und Maschine ermöglicht die Veröffentlichung von Texten, die für den Leser einen persönlichen Bezug bieten und eine bisher nie dagewesene inhaltliche Tiefe aufweisen.

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, sofern man sich auf den Perspektivenwechsel einlässt.

Ein Gastbeitrag von Saim Rolf Alkan, Geschäftsführer AX Semantics

Vordenker präsentieren Trends von morgen: Rückblick auf die Digitalkonferenz Explained

Author: Christoph SeitzDas Thema digitale Transformation wird aktuell in vielen Kreisen diskutiert. Was die Technologien der Zukunft tatsächlich heute schon können und wie sie unser Leben verändern werden, haben wir auf unserer zweiten Digitalkonferenz Explained bei Microsoft Berlin hinterfragt und vorgestellt. 14 Redner aus Politik und Wirtschaft zeigten den rund 400 Teilnehmern Chancen von cloudbasierten Programmen anhand von konkreten Beispielen auf, aber auch Herausforderungen.

Diskutiert wurden vier Komplexe: Kommunikation der Zukunft, internationale Datenpolitik in unruhigen Zeiten, Potenziale für den Öffentlichen Sektor und Mixed Reality-Technologien und ihre Nutzungsmöglichkeiten.

Warum Apps schon bald keine Rolle mehr spielen werden und wie sogenannte Bots unsere menschlichen Fähigkeiten ergänzen und eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine herstellen, beschrieb Peter Jaeger aus der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland sehr anschaulich. Dabei gehe es darum, dem Nutzer über sprachliche Kommunikation mit unterschiedlicher Hardware das Leben zu erleichtern. Für Überraschung sorgte Peter Jaeger mit einem Beispiel aus den USA, bei dem eine High-Tech-Brille die kognitiven Fähigkeiten eines blinden Menschen erweiterte und ihm seine Umgebung mithilfe einer eingebauten Kamera und eines intelligenten Sprachcomputers erklärte.

Neben allen verblüffenden Beispielen aus der Fußballwelt, dem E-Commerce oder dem Online-Stellenmarkt sei die Basis für die Anwendung neuer Technologien das Vertrauen der Nutzer, das betonten neben dem Bundestagsabgeordneten Dr. Andreas Nick auch Brendon Lynch, Chief Privacy Officer der Microsoft Corporation. Microsoft respektiert nationale Datenschutzgesetze und erkennt die Privatheit als universelles Grundrecht an. Derzeit arbeite Microsoft an einem „Dashboard-Konzept“, das die Kontrollmöglichkeiten für die Nutzer noch transparenter darstellen soll, erklärte Brandon Lynch.

Dass der öffentliche Sektor schon jetzt von den Technologien profitiert, wurde am Parkplatzmanagement-System von Bad Hersfeld deutlich. Durch die intelligenten Technologiebausteine würden die Investitionen für die Kommunen immer geringer werden und der Nutzen größer, sagte mein Kollege Thomas Langkabel, National Technology Officer.

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Zum Abschluss der Digitalkonferenz ging es um Mixed Reality, die neueste Dimension der Technologie. Von Architekten, Ärzten bis hin zu Autobauern – die Verknüpfung von realen und virtuellen Welten ermöglicht der Wissenschaft genau wie der Geschäftswelt schon bald ganz neue Quantensprünge, da waren sich die Vordenker und Analysten auf der Bühne schon jetzt einig.

Wie diese im Detail aussehen werden und wie die Gesellschaft davon profitiert, das beleuchten wir auch künftig – bei der nächsten EXPLAINED-Digitalkonferenz. Wenn Sie schon vorher mehr über diese Themen erfahren möchten, besuchen Sie uns jederzeit bei Microsoft Berlin!

Veröffentlicht von Christoph Seitz, Leitung Innovation, Marketing und Betrieb von Microsoft Berlin

Bauer sucht Cloud

Author: Tanja Böhm

Kaum eine andere Branche wird in der öffentlichen Wahrnehmung bis heute so von überkommenen Vorstellungen geprägt wie die Landwirtschaft. Wer jedoch dachte, die moderne Agrarwirtschaft beschränkt sich auf bukolische Landschaften und auf das Sähen, Düngen und das Ernten, konnte sich am Mittwoch dieser Woche von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) im Microsoft Atrium Unter den Linden eines Besseren belehren lassen. Die Landwirtschaft ist längst zu einem stillen und zugleich konsequenten Vorreiter der digitalen Revolution geworden. Der Arbeitstag der Landwirte beginnt heute in der Regel nicht auf dem Feld oder im Stall, sondern am Computer. Man könnte zugespitzt sagen: Bauer sucht nicht mehr Frau, sondern Bauer sucht Cloud. „Die Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse gewinnt immer mehr an Bedeutung“, hob der fränkische CSU-Politiker Schmidt, selbst Sohn eines Bäckers, im Gespräch mit dem Verleger Wolfram Weimer bei der Veranstaltungsreihe „Digitales Deutschland“ hervor. Continue reading

Online-Camp: Digitale Kompetenzen für Non-Profit Organisation

Astrid_Aupperle_neu_quadratVereine, Stiftungen und andere Non-Profit-Organisationen (NPO) sind auf die Hilfe von Förderern angewiesen. Neue Technologien helfen ihnen bei der Kommunikation und Organisation ihres bürgerschaftlichen Engagements, erleichtern die Spendenakquise und mobilisieren und vernetzen Freiwillige. Dabei sind digitale Kenntnisse für NPOs heute die Voraussetzung, um erfolgreich zu sein. Dazu gehören beispielsweise E-Mail-Marketing, Online-Fundraising oder Community Management.

Mit einem Online-Camp unterstützt Microsoft Mitarbeiter von NPOs dabei, diese Kompetenzen zu erlangen. In Zusammenarbeit mit der Spendenplattform Stifter-helfen.de – IT für Non-Profits lernen Mitarbeiter gemeinnütziger Institutionen in fünfzehn kostenlosen Webinaren, wie sie digitale Kanäle effizient und zeitgemäß für Kommunikation, Marketing und Fundraising nutzen können. Die einstündigen Schulungen finden im Zeitraum vom 18.-27. Oktober statt. Sie richten sich an alle haupt- und ehrenamtlich Engagierten in Vereinen, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Organisationen.

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Das Online-Camp ist eines von vielen Hilfsangeboten von Microsoft, um die Arbeit von Non-Profit-Organisationen lösungsorientiert und effizient zu gestalten. Neben Softwarespenden, deren Gesamtwert allein in Deutschland im vergangenen Jahr 44 Mio. Euro betrug, stellen auch die Microsoft-Mitarbeiter ihre Hilfe zur Verfügung. Über eine Helpline von Stifter-helfen.de leisten sie den NPOs ehrenamtlich Hilfestellung bei technischen Fragen. Darüber hinaus veranstaltet Microsoft einmal im Jahr einen NPO-Trendtag. Dort können sich die Mitarbeiter von gemeinnützigen Organisationen über neueste Technologieentwicklungen informieren und wichtige Kontakte knüpfen.

Mit diesen Angeboten wollen wir ein Ziel erreichen: den Menschen, die sich zum Wohl anderer einsetzen, mit unserer Technologie und unserem Know-How zu helfen. Damit gesellschaftliches Engagement auch für die nächste Generation von ehrenamtlich Tätigen attraktiv bleibt, unterstützen wir sie mit moderner IT. Denn ohne den täglichen Einsatz der freiwilligen Helfer würde unsere Gesellschaft kaum funktionieren.

Alle Workshops des Online-Camps finden Sie hier. Während des Camps haben Teilnehmer die Möglichkeit, sich in einer moderierten Facebook-Gruppe auszutauschen und zu vernetzen. Auf Twitter können Sie den Inhalten unter #OnlineCamp folgen.

Veröffentlicht von Astrid Aupperle, Leiterin Gesellschaftliches Engagement, Microsoft Deutschland

Auf Programmier-Tour durch Deutschland

thumb_80x80_StephanHohmannCode your Life-Botschafter aus dem Deutschen Bundestag drückten Anfang September die Schulbank – für einen guten Zweck. Thomas Jarzombek, Saskia Esken, Dorothee Bär und zehn weitere Bundestagsabgeordnete gehören zu den 15 Botschaftern, die die Bildungsinitiative seit ihrem Start im Februar 2016 unterstützen.

Nach den Sommerferien nahmen die Politiker erstmals an Programmier-Workshops für 10-14jährige Schüler teil. Die Coding-Kurse fanden an den Schulen statt, die sie als Paten der Initiative repräsentieren. Dabei erhalten Schulkinder erste Einblicke in die Programmierwelt, indem sie mit den Programmen umzugehen lernen und damit etwas gestalten.

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„Programmiersprachen sollten künftig an Schulen so selbstverständlich sein wie Deutsch, Englisch oder Französisch”, sagte Thomas Jarzombek bei seinem Besuch in der Städtischen Katholischen Grundschule Niederkassel. Deshalb setze er sich auch für Code your Life ein. Gemeinsam mit den prominenten Botschaftern wollen wir mit unserer Initiative Mädchen und Jungen Lust auf den Umgang mit Technik machen und Kinder schon ab dem Grundschulalter spielerisch für das Programmieren begeistern. Damit sie kompetente digitale Nutzer – und vielleicht sogar Entwickler, Erfinder oder Unternehmensgründer werden können, unterstützen wir Kinder dabei, die grundlegenden Prinzipien des Programmierens zu verstehen.

Neben der bundesweiten Tour bieten wir 8-14-jährigen Schulkindern Workshops in und um Berlin an und versorgen bundesweit interessierte Schulen und Lehrer mit Material für den Programmierunterricht. Neuer Baustein der Initiative sind Online-Trainings für Pädagogen. Besuchen Sie gerne auch die Code your Life-Webseite oder empfehlen uns einer interessierten Schule weiter. Auch neue Botschafter sind herzlich willkommen.

Veröffentlicht von Stephan Hohmann, Leiter der Initiative Code your Life