Eine Freiheitswerkstatt für geflüchtete Menschen

Alles begann mit einer Suppen-Küche in Athen: Wir wollten geflüchteten Menschen helfen und sind Ende 2015 zu acht in einem Kleintransporter von Heidelberg nach Griechenland gefahren. Im Gepäck hatten wir Kochutensilien, die uns mein Vater von seinem Catering-Service geliehen hatte sowie Geld- und Sachspenden. Während der Fahrt standen wir täglich über Smartphone und Internet mit anderen Initiativen in engem Kontakt, um zu erfahren, wo die Not am größten ist. So kamen wir nach Athen und verteilten dort zwei Wochen lang Suppen und Kleidung an die Geflüchteten.

Zurück in Deutschland ließ uns das Schicksal der Menschen nicht los. Wir gründeten den Verein Soup & Socks e.V. und fuhren ein zweites Mal, diesmal noch besser ausgestattet, Richtung Griechenland. Von zwei Spanierinnen, die ehrenamtlich ein Flüchtlingscamp mit rund 1200 Menschen in Nordgriechenland managten und die mit uns während unserer Fahrt kommunizierten, wurden wir nach Katsikas geleitet.

Auch bei dieser Aktion wurde uns einmal mehr bewusst, dass eine akute Hilfe ohne Skype, Facebook oder Whats App überhaupt nicht funktionieren würde.

Im Camp in Katsikas angekommen, bauten wir dann unsere erste Gemeinschaftsküche auf. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Ein paar Monate später mieteten wir eine nahe gelegene Halle und starteten unser Projekt Habibi.Works – ein FabLab, in dem die Campbewohner, aber auch Einheimische kreativ tätig werden können. In dem 700 qm großen Gebäude stehen ihnen dafür u.a. eine Holz-, Metall- und Nähwerkstatt mit Werkzeugen und Geräten zur Verfügung, die wir selber einbrachten oder von Spendengeldern finanzierten. Der Digitalbereich ist mit sieben 3D-Druckern, einem Lasercutter und mehreren Computern ausgestattet.

Parallel dazu bauten wir unser Team weiter aus. Über Skype führen wir Gespräche mit ehrenamtlichen Helfern aus der ganzen Welt und gewährleisten so, dass ständig rund acht bis zwölf Personen für Soup & Socks in Katsikas sind und jeden Tag verschiedene Workshops im FabLab geben. Dazu gehören IT-Grundausbildungs-Kurse für Jugendliche, in denen sie Office-Grundkenntnisse erwerben. Aber auch den Bau einer geodätischen Kuppel oder die Entwicklung von Schuheinlagen für ein geflüchtetes Mädchen mit Hüftproblemen haben wir gemeinsam mit Bewohnern des Camps realisiert. Für die Projekte haben wir neben traditionellen Werkzeugen auch moderne Technologien wie Kinect oder 3D-Drucker eingesetzt.

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Die Kommunikation zwischen unseren Teammitgliedern läuft ebenfalls über moderne Technologien. So tauschen wir Dokumente über die cloudbasierte Office-Version 365 aus, und wir haben z.B. eine Whats App-Gruppe eingerichtet, um ständig in Kontakt zu stehen.

In den vergangenen zwei Jahren ist es uns gelungen, aus einer spontanen Idee ein großes Projekt mit Nachhaltigkeitseffekt zu entwickeln, das geflüchteten Menschen neue Perspektiven bietet. Darüber hinaus bemühen wir uns im FabLab um Integrationsarbeit. Mittlerweile haben auch schon griechische Bewohner in unserer Hallenküche gekocht.

Unsere nächsten Pläne sind der Aufbau einer Webseite, auf der unsere Workshops abgebildet sind und eine Professionalisierung unseres Vereines. Wir wollen in die Lage kommen, auch kleine Gehälter zahlen zu können. In den letzten zwei Jahren haben sich alle Langzeit-Teammitglieder durch ihre Ersparnisse finanziert. Deshalb werden wir uns jetzt auch um Fördergelder bemühen. Der NPO-Tag bei Microsoft im Februar hat schon einmal dazu beigetragen, dass wir sehr gute Kontakte knüpfen und uns mit anderen Non-Profit-Organisationen austauschen konnten.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns noch einmal recht herzlich für den „TechStories“-Preis bedanken, den wir von Microsoft, stifter-helfen.de und der AfB Gruppe erhalten haben. Wir hoffen, dass wir zukünftig auch weiterhin von Microsoft Deutschland und Microsoft Griechenland unterstützt werden.

Ein Beitrag von Florian Horsch, Mitbegründer von Soup & Socks e.V. und dem Projekt Habibi.Works

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