Made in Germany 4.0: Kooperation ist das Erfolgsrezept der vernetzten Industrie

Mangelnder Mut, German Angst, deutsche Behäbigkeit? Zumindest auf der Hannover Messe gab es keinerlei Belege für die viel kritisierte Zurückhaltung der deutschen Wirtschaft bei der Umsetzung der digitalen Transformation. Im Gegenteil! Auf der weltgrößten Industriemesse ließ sich in den letzten Tagen Zukunft live erleben – und deutsche Unternehmen waren ganz vorne mit dabei. Big Data, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality – Technologietrends, die vor bis vor kurzem eher auf Silicon Valley Events als auf Industriemessen zu sehen waren, sind mittlerweile in der industriellen Fertigung angekommen.

Vor allem auch am Microsoft Stand wurde deutlich: Wenn die deutschen Hochleistungsbrachen eng mit der ITK-Wirtschaft zusammenarbeiten, wird Made in Germany 4.0 möglich. Volkswagen zeigte hier, wie Mixed Reality die Arbeit von Designern und Ingenieuren revolutionieren kann. Siemens kombiniert Produktionstechnologie und IT in einer Plattform und setzt holografische 3D-Maschinendarstellungen („Digital Twins“) für die Fernüberwachung von Maschinen ein. Daimler vernetzt die Nutzfahrzeuge seiner Kunden über die Microsoft Azure Cloud und schafft damit die Basis für ganz neue Formen des Flottenmanagements. Mit der HoloLens ermöglicht thyssenkrupp Elevator seinen Kunden die Echtzeit-Visualisierung eines Treppenlifts im eigenen Zuhause und kann diesen bis zu vier Mal schneller liefern. Bosch Rexroth optimiert Wertschöpfungsketten in der Automobilproduktion dank direkter Cloud-Anbindung und IoT- Analysetools von Microsoft.

Neben deutschen zeigten auch führende internationale Industriekunden von Microsoft, welche Chancen entstehen, wenn Maschinen selbstständig Fertigungsprozesse koordinieren, Roboter auf intelligente Weise mit Menschen kooperieren und sich eine unternehmensübergreifend vernetzte Wertschöpfungskette ständig selbst optimiert. Comau, ein FIAT Tochterunternehmen aus Italien, revolutioniert mithilfe der Hololens die Zusammenarbeit von Menschen und Robotern. Die schwedische Tetra Pak setzt auf Microsoft Azure für vorausschauende Wartung und längere Maschinenlaufzeiten bei seinen Kunden. Und Ecolab beweist mit nachhaltigen Wassermanagement-Lösungen auf Basis von Microsoft Azure IoT, dass ein smartes Manufacturing nicht nur Kosten spart, sondern auch die Umweltbelastung verringert.

Vernetzung, Kooperation und technologische Offenheit sind die Voraussetzung, um die unternehmerischen Möglichkeiten einer Industrie 4.0 voll auszuschöpfen. Auch in dieser Hinsicht wurde auf der Hannover Messe ein wichtiger Meilenstein erreicht: Der Verband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) hat angekündigt, OPC UA als zentralen Schnittstellenstandard für die digitale Fabrik zu favorisieren. OPC UA wird von zahlreichen Industrieunternehmen wie Siemens und Bosch sowie von Microsoft unterstützt, weil es den verschiedenen Plattformen in der Industrieautomatisierung ermöglicht, miteinander zu kommunizieren.

Vertrauen ist die Grundlage für die Akzeptanz neuer Lösungen. Microsoft setzt sich schon lange für mehr Sicherheit, Datenschutz und Transparenz in einer vernetzten Welt ein und hat als erster Anbieter den neuen internationalen ISO-Standard für Datenschutz in der Cloud umgesetzt. Ab sofort können IoT-Services von Microsoft außerdem auch über die Microsoft Cloud Deutschland bezogen werden. Dabei werden sensible Daten ausschließlich in deutschen Rechenzentren gespeichert. Der Zugang zu den Kundendaten liegt beim deutschen Datentreuhänder T-Systems International GmbH, ein Tochterunternehmen der Deutsche Telekom, das der deutschen Rechtsordnung unterliegt. Damit bieten wir jetzt noch mehr Unternehmen, die Chancen der digitalen Transformation zu ihren Bedingungen umzusetzen.

Damit Deutschland der Sprung in die digitale Zukunft gelingt, engagieren wir uns aktuell auch im B20 Business Dialog, der unter Federführung von BDI/BDA und DIHK den G20 Gipfel-Prozess begleitet. Im Rahmen der B20 Taskforce Digitalisierung haben wir an Empfehlungen in den Handlungsfeldern Globale Vernetzung, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz mitgearbeitet. Insbesondere befürworten wir internationale Spielregeln für den Umgang mit Cyberkriminalität und staatlichen Cyberangriffen und die enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Standards für Industrie 4.0.

Fakt ist: Digitale Technologien entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie grenzüberschreitend und für alle Markteilnehmer verfügbar sind. Wir müssen deshalb weiter intensiv mit Unternehmen, Politik und Gesellschaft über die richtigen Rahmenbedingungen diskutieren. Auch hierfür gab es in Hannover viele gute Gelegenheiten: Neben EU-Kommissarin Elżbieta Bieńkowska und EU-Kommissar Günther Oettinger besuchten Under Secretary Ken Hyatt vom US Department of Commerce sowie eine Delegation des polnischen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung den Microsoft Stand auf der Hannover Messe. Die Themenpalette der Gespräche reichte von vertrauenswürdigen Cloudlösungen, über Datenschutz und Cybersecurity im Internet der Dinge bis zur Bedeutung des US/EU-Privacy Shields und zum Stellenwert von Bildung und Qualifikation für die Anforderungen der global vernetzten Industrie.

Für Microsoft war die Hannover Messe 2017 ein Meilenstein auf dem Weg in die vernetzte Industrie und ein Beweis, dass das Rezept für eine erfolgreiche Industrie 4.0 – ob Made in Germany, Europa USA oder Asien – eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Fertigungsindustrie und IT-Branche, von Regierungen und Wirtschaft sein wird.

 

Ein Beitrag von Inger Paus, Leiterin Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik, Microsoft Deutschland

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