Die Demokratisierung Künstlicher Intelligenz – Wie gelingt Wertschöpfung in Deutschland?

Zum zweiten Teil der Veranstaltungsreihe „A Cloud for Global Good: German Perspectives“ durfte ich am 26. April 2017 bei Microsoft Berlin mit Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, dem Gründer und CEO der arago AG, Hans-Christian Boos und der Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, Sabine Bendiek über die Demokratisierung von Künstlicher Intelligenz diskutieren.

Es mag Science Fiction Filmen geschuldet sein, dass beim Thema „Künstliche Intelligenz“ eher negative Bilder aufscheinen: Der menschenähnliche, aber gefühllose Roboter, der sich das fehlbare Wesen Mensch schließlich unterwirft. Ganz neu ist diese Furcht nicht: schon Fritz Lang hat in seinem Filmklassiker „Metropolis“ den Menschen in der Moderne zum Sklaven der Maschine gemacht.

Ohne Frage: Künstliche Intelligenz entwickelt sich mit rasanter Geschwindigkeit. Weniger schnell entwickelt sich ein tiefgreifendes, gesellschaftlich weit über Nerd- und Entwicklerkreise hinausgehendes Verständnis, was Künstliche Intelligenz überhaupt ist. Eben nicht „der Roboter“, so Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, in ihrer Keynote. Künstliche Intelligenz, das sind zunächst „lernende Systeme“, Systeme also, die aus großen Datenmengen Muster erkennen können, die lernen, so Sabine Bendiek, „Entscheidungen zu treffen“. KI muss also auf Erfahrungen zurückgreifen, kann aber keine eigenen Erfahrungen generieren. „Sie lernen, aber sie denken nicht“.

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Wie also, so die Grundfrage, über die die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries und Hans-Christian Boos, Gründer und Chief Executive Officer von arago, mit Sabine Bendiek diskutierten, gelingt die „Demokratisierung Künstlicher Intelligenz und Wertschöpfung in Deutschland?“

Um „gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen“ – ein Punkt, den Ministerin Zypries ganz besonders betonte – sind wesentliche Voraussetzungen zu schaffen: Sie muss „empowering“ sein, also den Menschen und der wirtschaftlichen Entwicklung zugutekommen. Sie muss „trustworthy“ sein: Datenschutz und Datensicherheit müssen also gewährleistet werden. Und schließlich muss KI „respectful and inclusive“ sein, das heißt gerade in komplexen, multikulturellen Umfeldern nutzbringend und förderlich wirken. Oder wie Ministerin Zypries es ausdrückte: „Wie können wir sicherstellen, dass technologische Innovationen allen zugutekommen, und wie können wir sicherstellen, dass der Mensch die Kontrolle behält?“

In der (noch sehr zurückhaltenden) gesellschaftlichen Debatte zeigt sich oft noch ein Glaube an eine geradezu unheimliche „Superpower“ Künstlicher Intelligenz. Ganz im Gegensatz dazu betonte Hans-Christian Boos, was KI alles nicht zu leisten vermag: Lernenden Systemen fehlt der „Heureka-Moment“, die Fähigkeit, eigene Ideen hervorzubringen oder auch Ideen gegen die Stimmung oder die Ansichten einer Mehrheit trotzdem entwickeln zu wollen. Der Maschine fällt leicht, was dem Menschen schwerfällt, so Boos, nämlich enorme Datenmengen schneller und effizienter zu verarbeiten, als ein Mensch dies je vermag. KI ist ein brillanter Rechner. Aber „was dem Menschen leichtfällt, wie Laufen, fällt der Maschine schwer.“ Einen „Heureka-Moment“ herzustellen, Ideen auf völlig neuem Terrain zu entwickeln und dieses Terrain auch betreten zu wollen, das könne nur der Mensch.

„Demokratisierung“ von KI, das bedeutet, einer Monopolisierung der Entwicklung durch Großunternehmen vorzubeugen und wesentliche Erkenntnisse auch kleineren Spielern zur Weiterentwicklung – zugänglich zu machen. Es bedeutet, Akzeptanz für die Schaffung eines Datenpools zu schaffen, auf den lernende Systeme zurückgreifen können. Zum Beispiel, um bei der Diagnostik im medizinischen Bereich zu helfen – was wiederum Transparenz über Datensicherheit und Datenverwertung voraussetzt. Es gilt weiterhin, technologische Kompetenz zu schaffen: Dabei geht es nicht allein darum, naturwissenschaftliche und mathematische Fähigkeiten schon frühzeitig zu fördern, um Generationen von IT-Ingenieuren hervorzubringen“, so Boos. Sondern um den Bürger auch zu einem technik-informierten Bürger zu machen, der, so Zypries, „wissen muss, was KI macht.“ Um Wertschöpfung herzustellen, bleibt politisch immer noch die Aufgabe, aus einer „sehr guten Grundlagenforschung“ so Zypries, auch marktfähige Umsetzungen werden zu lassen. Und für jene zu sorgen, die sich den rasanten technologischen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt nicht so schnell anpassen können.

Die Kooperation von Mensch und Maschine, das wurde in der Diskussion deutlich, muss eine in erster Linie für den Menschen gedeihliche Kooperation sein. Und: Maschinen können viel, aber ein wesentlich menschliches Element fehlt ihnen: Empathie.

Die nächste Veranstaltung im Rahmen der Reihe „A Cloud for Global Good: German Perspectives“ findet am 17.5.2017 zur Frage „Digitalisierung für alle? Wie wir gesellschaftliche Teilhabe gestalten“ statt. Meine Gesprächspartner werden dann Prof. Dr. Gesche Joost, Professorin für Design und durch die Bundesregierung ernannte Internetbotschafterin, Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch, und Markus Köhler, Senior Director Human Resources bei Microsoft Deutschland, sein. Zur Anmeldung zur Veranstaltung gelangen Sie hier.

Ein Gastbeitrag von Dr. Sylke Tempel, Chefredakteurin „Internationale Politik“ und Moderatorin der Veranstaltungsreihe „A Cloud for Global Good: German Perspectives“

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