Digitales Deutschland mit Andrea Nahles: „Die Arbeit wird uns nicht ausgehen“

Inger Paus_80x80Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Durch die fortschreitende Digitalisierung werden viele Tätigkeiten zunehmend automatisiert. Werden Roboter und Algorithmen in der Wirtschaft 4.0 zum Jobkiller, wie Skeptiker mutmaßen? „Das ist Unsinn“, zeigt sich Andrea Nahles überzeugt. Die Bundesarbeitsministerin hält nichts von solchem „Alarmismus“. Im Gegenteil: „Durch die Digitalisierung entstehen jeden Tag massiv neue Arbeitsplätze“, betont die SPD-Politikerin im Gespräch mit dem Verleger Wolfram Weimer im Microsoft Atrium Unter den Linden. „Und wenn es irgendein Land in Europa gibt, das die Digitalisierung positiv für sich nutzen kann, dann ist das Deutschland.“

Die Besucher der Microsoft-Veranstaltung „Arbeiten 4.0 – Wie erfasst die digitale Revolution die Arbeitswelt?“ erlebten eine optimistische Bundesministerin, die die Chancen des digitalen Wandels eindeutig in den Mittelpunkt rückt. Mögen die Amerikaner gegenwärtig die Nase vorn haben, so sei Deutschland Nahles zufolge gerade sehr erfolgreich dabei, seinen starken Industriestandort mit den Möglichkeiten der Digitalökonomie zu verschränken.

Wie stellen Sie sich den idealen Arbeitstag in 5-10 Jahren vor?

Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist auch Nahles davon überzeugt, dass heutige Berufe nicht gänzlich verschwinden. Tätigkeitsfelder, Berufsbilder und die Arbeitswelt insgesamt werden sich dabei in den nächsten Jahren gewiss massiv verändern., heißt es dazu in einer IAB-Studie. Forscher weisen darauf hin, dass der technologische Fortschritt bislang immer mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet hat. Schließlich ermöglicht die Digitalisierung neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Produkte. Die Produktivität steigt, Waren werden günstiger, mehr Nachfrage schafft mehr Wachstum und Beschäftigung.

Welche Rolle spielt Technologie bei der Veränderung der Arbeitswelt?

Zugleich gilt es aber auch, die Beschäftigten auf dem Weg der „schöpferischen Zerstörung“ (Schumpeter) mitzunehmen. Arbeiten 4.0 wird vernetzter, digitaler, flexibler. Unternehmen und Beschäftigte brauchen mehr Flexibilität. Eine Deregulierung nach US-Vorbild kann nach Einschätzung der SPD-Politikerin aber nicht die Lösung für Deutschland sein, weil das nicht zur Sozialen Marktwirtschaft passe. Die Ministerin macht sich deshalb für ein neues arbeitsmarktpolitisches Leitbild, einen neuen sozialen Kompromiss, einen „Flexibilitätskompromiss“ stark: „Die Schutzregeln der Industrie 3.0 passen nicht mehr zur Wirtschaft 4.0. Ich versuche deshalb, einen Kompromiss zwischen Schutzinteressen und Flexibilitätsanforderungen zu finden. Die Revolution des Digitalen erfordert eine behutsame Evolution des Sozialen.“

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Auch Arbeitnehmer sollen von der Digitalisierungsdividende durch flexible Arbeitszeitmodelle oder die freie Wahl des Arbeitsortes profitieren – „durch gute, sichere und gesunde Arbeit“, wie es Nahles ausdrückt. Microsoft hat schon vor zwei Jahren die Anwesenheitspflicht im Büro abgeschafft. Solche Modelle prägen nach den Vorstellungen der Ministerin die Zukunft der Arbeit. Betriebliche und tarifvertraglich vereinbarte Arrangements haben dabei ganz klar Vorfahrt vor neuen Bundesgesetzen, die nicht auf die spezifischen Anforderungen einzelner Branchen und Unternehmen abstellen können. Deshalb schweben Nahles künftig „Experimentierräume“ in verschiedenen Unternehmen und Branchen vor, in denen neue Arbeitsmodelle jenseits gesetzlicher Regelungen zeitlich befristet ausprobiert werden können. „Wir brauchen dringend weniger Ideologie, dafür mehr Erfahrungswissen!“

Hilfreiche Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Gestaltung der künftigen Arbeitswelt erhofft sich die Ministerin zusätzlich aus dem „Dialogprozess Arbeiten 4.0“, den das Ministerium im April 2015 mit einem Grünbuch initiiert hat. Sozialpartner, Beschäftigte und Unternehmen beteiligen sich an der Debatte, die bis Ende des Jahres in einem Weißbuch „Arbeiten 4.0“ münden soll. Eine Antwort ist für die Ministerin allerdings jetzt schon klar: „Wir brauchen dringend eine Weiterbildungsoffensive in den Betrieben, um den Transformationsprozess zu gestalten. Betriebe müssen noch mehr als bisher zu Lernorten werden. Das ist das Entscheidende, worum es in den nächsten Jahren geht!“

Warum haben Sie im letzten Jahr den Dialogprozess Arbeiten 4.0 gestartet? Was wünschen Sie sich als Ergebnis?

Veröffentlicht von Inger Paus, Leiterin Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik, Microsoft Deutschland

Wie „Texteroboter“ Branchen, Arbeitsprozesse und Berufsbilder verändern

Saim Alkan, AX Semantics

Saim Alkan, AX Semantics

Auf der Digitalkonferenz Explained hat Saim Rolf Alkan, Geschäftsführer AX Semantics, mit uns die Datenbeziehungen der Zukunft diskutiert. In diesem Blogbeitrag geht er einer der aktuell sichtbarsten technologischen Entwicklungen auf den Grund: Schon heute werden täglich hunderttausende Texte nicht originär von Menschen, sondern von Software generiert und veröffentlicht. Was hat das für einen Einfluss auf Berufsfelder wie den Journalismus und den E-Commerce? Was sind künftige Entwicklungen und Einsatzgebiete?

Steht der Markt für Content- Strategien vor einem erneuten Umbruch, wie man ihn vor nicht allzu langer Zeit durch Clickworker und Crowdsourcing erlebt hat? Ich glaube fest an einen Paradigmenwechsel im Content Marketing.

Es gibt ein neues Zauberwort in der Welt des Online-Marketings: „Natural Language Generation“ kurz NLG, im Deutschen etwas sperrig „Natürlichsprachliche Textgenerierung“. Darunter versteht man die automatisierte Erzeugung von Sprache und Texten.

Die Grundlagen dieser Technologie werden in der Computer-Linguistik entwickelt, einer relativ neuen Wissenschaft, die sich der maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprache widmet. Die praktische Umsetzung der Computer-Linguistik ist mittlerweile im Mainstream der Contentverleger und E-Tailment-Manager angekommen. Schnell, präzise, fehlerfrei, abwechslungsreich und im Gegensatz zum Menschen unermüdlich sind diese Anwendungen. Und obendrein in der Lage, Inhalte in Sekundenbruchteilen in vielen Sprachen zu generieren.

Science Fiction? Keineswegs. Schon heute werden täglich hunderttausende Texte nicht originär von Menschen, sondern von Software generiert und veröffentlicht. Vor allem Texte wie Sportmeldungen, Produktbeschreibungen, Wetterberichte, Börsenticker, individualisierte Textnachrichten und Chatbots bis hin zum Geschäftsbericht werden nicht mehr von Menschen, sondern von Software verfasst. Dank des Megatrends „Big Data“ eröffnen sich in schneller Folge neue Anwendungsgebiete für NLG. Überall dort, wo Daten in strukturierter Form vorliegen, kann und wird eine NLG-Software zum Einsatz kommen und in Sekundenbruchteilen Texte generieren und veröffentlichen.

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Ich möchte Ihnen 5 Gründe nennen, warum sich der Umgang mit Content in den nächsten Jahren drastisch verändern wird:

  1. Textautomatisierung ermöglicht Nischencoverage
    Wie sich an den Trends der letzten Jahre ablesen lässt, wird die Anzahl der Texte im Internet in den nächsten Jahren exponentiell zunehmen. Das wird jedoch nicht dazu führen, dass der einzelne Leser im Content-Chaos versinken wird, wie einige negative Stimmen verlauten lassen. Vielmehr werden die Leser von der Zunahme profitieren, denn jetzt können sie selbst für Nischenprodukte umfangreiche Produktbeschreibungen bekommen oder ausführliche Texte zu Special-Interest-Themen lesen, die aufgrund der Ressourcen-Knappheit bisher schlicht nicht verfasst wurden. Jedes Tierchen erhält in Zukunft wirklich sein Pläsierchen.
  2. Inhalte werden personalisierter
    Hier spielt wie beschrieben der Megatrend Big Data der Textautomatisierung in die Hände. Die strukturierte Erfassung und Kombination von Kunden-, Produkt- und Nachrichtendaten ermöglicht es im zunehmenden Maße, passgenaue Einzeltexte zu generieren. So ist der Weg zur individualisierten Nachrichten- oder E-Commerce-Seite geebnet. Rein technisch wäre die Umsetzung schon heute möglich, noch stehen dem aber zu hohe Latenzen im Weg, auch wenn diese im Sekundenbereich liegen.
  3. Internationalisierung wird voranschreiten
    Zahlreiche Anbieter von NLG-Software bieten ihren Kunden bereits heute die Möglichkeit, ihre Inhalte in mehreren Sprachen zu erzeugen. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es sich nicht um einen automatisierten Übersetzungsvorgang handelt, wie ihn z.B. „Google Translate“ präsentiert. Stattdessen bietet die NLG Software für alle Sprachen „muttersprachliche“ Konditionen: Sie generiert die jeweiligen Texte direkt in der gewünschten Zielsprache ohne den Umweg über eine andere Sprache. Der ressourcenintensive Übersetzungsvorgang, der bei der Lokalisierung häufig ein Flaschenhals war, spielt nun keine Rolle mehr. Lokalisierungsbestrebungen werden somit ungemein beschleunigt.
  4. Selbstoptimierende Inhalte
    Die Erfahrungen im „machine learning“ zeigen: Je stärker sich die Systeme verknüpfen, desto intelligenter werden sie. Bezieht man beispielsweise performanceorientierte Daten in die NLG-Software ein, kann sich der Prozess der Textautomatisierung selbst trainieren und verbessern. Die Texte werden immer präziser und besser darin, den Kaufentscheidungsprozess von Nutzern und Lesern stärker zu unterstützen. Das übliche A/B-Testing wird damit überflüssig, da es ja Teil des automatisierten Content-Erstellungsprozesses ist.
  5. Agilität in der Content Produktion
    Die Content Produktion wird agiler und passt sich den Anforderungen des Marktes besser an: Keine monatelange Arbeit an riesigen Contentprojekten mit der Produktion monolithischer Textwerke mehr, stattdessen stellt die Content Produktion einen kontinuierlichen Prozess dar, in dem bestehende Inhalte kontinuierlich weiterentwickelt und den Umfeldbedingungen angepasst werden.

In der aktuellen Diskussion rund um die Textautomatisierung verfallen begreiflicherweise nicht alle Berufsgruppen unisono in Jubelarien. Einige Skeptiker sehen in der Verbreitung derartiger Software sogar eine Bedrohung für ganze Berufsstände, die bisher von der Produktion von Texten (ganz gut) gelebt haben. Die meisten Branchenfachleute mit denen ich gesprochen habe, stehen dem Thema aber relativ aufgeschlossen gegenüber. Sie sehen solche Systeme als willkommene Bereicherung ihrer Arbeit an und treiben den Perspektivenwechsel voran. In Zukunft werden Redakteure, Journalisten und Texter Hand in Hand mit Software arbeiten, die ihnen Inhalte auf der Basis strukturierter Daten liefert. Solche Inhalte lassen sich wiederum von Menschen mit Informationen und Inhalten anreichern, die sich eben nicht aus Daten ableiten lassen: Emotionen, Beurteilungen, Spekulationen über die Zukunft – die Maschinen können (noch?) nicht alles. Dieses Zusammenspiel von Mensch und Maschine ermöglicht die Veröffentlichung von Texten, die für den Leser einen persönlichen Bezug bieten und eine bisher nie dagewesene inhaltliche Tiefe aufweisen.

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten, sofern man sich auf den Perspektivenwechsel einlässt.

Ein Gastbeitrag von Saim Rolf Alkan, Geschäftsführer AX Semantics

Arbeiten 4.0: Staatssekretär Thorben Albrecht zu Besuch auf der Baustelle der künftigen Deutschlandzentrale von Microsoft

Markus Köhler

Markus Köhler

Experten erwarten, dass in Deutschland bis zum Jahr 2020 rund 60 Prozent aller Arbeitsplätze auf flexiblen Modellen, d.h. gekoppelt an zeitliche wie räumliche Flexibilität, basieren. Doch wie sieht das Arbeiten der Zukunft dann eigentlich aus? Kann jeder kommen und gehen wann er will? Brauchen wir überhaupt noch Büros? Bei Microsoft Deutschland arbeiten wir schon seit vielen Jahren flexibel. Rund 90 Prozent aller Kollegen nutzen heute die flexiblen Arbeitsbedingungen und sind nicht täglich im Büro. Mit den Betriebsvereinbarungen zur Vertrauensarbeitszeit (seit 1998) und dem Vertrauensarbeitsort (2014) hat Microsoft die Anwesenheitspflicht seiner Mitarbeiter längst abgeschafft. Und dennoch werden wir im Herbst unsere neue Unternehmenszentrale (#OfficemitWindows) auf 26.000 m² in München-Schwabing einweihen.

Mit dem bis Ende 2016 angelegten Prozess „Arbeiten 4.0“ hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Dialog über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft und die Voraussetzungen für „Gute Arbeit“ im digitalen Zeitalter angestoßen. Nach dem Besuch von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Sommer 2015 in unserer alten Unternehmenszentrale in Unterschleißheim durften wir nun Staatssekretär Thorben Albrecht zu einem Rundgang durch das fast fertiggestellte Gebäude in Schwabing begrüßen. Dabei stand unser Bürokonzept des „Smart Workspace“ im Mittelpunkt, das wir in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IAO für das #arbeitenviernull bei Microsoft entwickelt haben.

Das Konzept steht für die Freiheit und eigenen Gestaltungsmöglichkeiten der Mitarbeiter. Jeder Mitarbeiter kann selbst entscheiden, wo, wie und mit wem er zusammenarbeiten möchte – stets unterstützt von technischer Ausstattung auf höchstem Niveau. Mit dem „Smart Workspace“ schaffen wir eine Arbeitsumgebung, in der sich Mitarbeiter wohlfühlen und die die unterschiedlichsten Bedürfnisse optimal berücksichtigt. Dafür gibt es vier verschiedene Workspaces, die sich mehrfach über das gesamte Gebäude verteilt wiederfinden: Von Rückzugsbereichen für Tätigkeiten, die eine hohe Konzentration erfordern, bis hin zu Büroflächen, die auf Teamarbeit und Kollaboration ausgelegt sind. Darüber hinaus stehen den Mitarbeitern Loungeflächen, Meeting- und Konferenzräume, Dachterrassen, ein Fitnessstudio und ein großes Mitarbeiterrestaurant zur Verfügung.

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Der „Smart Workspace“ fördert die Integration aller Mitarbeiter durch eine Verbesserung der Kooperations- und Kollaborationsmöglichkeiten, unabhängig davon, wieviel Zeit sie im Büro verbringen. Moderne IT gibt uns heute die Freiheit, selbst zu entscheiden, wann und wo wir arbeiten. Dabei wird das Büro nicht überflüssig – im Gegenteil: Es wandelt sich zu einem unerlässlichen Ankerpunkt für Sozialkontakte und wird zum Austausch und zur Vernetzung immer wichtiger. Arbeiten 4.0 braucht das Büro, damit wir auch in der digitalen Arbeitswelt als „echtes“ Team funktionieren.

Wir sind nicht nur gespannt auf die Erfahrungen, die wir in unserem Smart Workspace ab Herbst sammeln werden, sondern möchten diese auch teilen. Mit Kunden, Partnern, interessierten Unternehmen und der Öffentlichkeit, die wir zu Führungen durch unsere neue Arbeitswelt einladen – und nicht zuletzt auch im weiteren Austausch mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Auf einen nächsten Besuch von Staatssekretär Thorben Albrecht in dem fertiggestellten Gebäude freuen wir uns dabei ganz besonders!

Veröffentlicht von Markus Köhler, Senior Director HR und Mitglied der Geschäftsleitung bei Microsoft Deutschland