Schritt halten mit dem technologischen Wandel: Gemeinsam dem Löwen begegnen

Renate_RadonAllein auf Amerikas Straßen sind 2015 mehr als 35.000 Menschen gestorben. Der tägliche Verkehrstod gehört dort wie anderswo so selbstverständlich zum Alltag, dass er kaum noch eine Randnotiz in der Lokalzeitung wert ist. Doch die fatale Kollision eines Tesla-Fahrers mit einem Lastwagen in Florida sorgte im Sommer 2016 weltweit für Schlagzeilen. Der Grund: Es handelt sich um den ersten tödlichen Unfall eines selbstfahrenden Autos. Der Unglücksfahrer hatte sich auf seinen Autopiloten verlassen, doch das System hat den LKW nicht als Hindernis identifiziert.

Seither ist die Diskussion um Sicherheitsrisiken autonomer Fahrzeuge neu entflammt. Dabei spielt kaum eine Rolle, dass mehr als 90 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Autonomes Fahren dagegen kann den Straßenverkehr deutlich sicherer machen. Das US-Transportministerium geht davon aus, dass 19 von 20 Unfällen in Zukunft verhindert werden können.

Es liegt in der menschlichen Natur, Unbekanntes mehr zu fürchten als Bekanntes, meinen Experten wie der Potsdamer Risikoforscher Ortwin Renn. „Was ich nicht kenne ist mir unheimlich“, sagt Renn in einem Interview mit dem Spiegel. Dass die größte Angst oft sogar dort herrscht, wo die reale Gefahr am geringsten ist, führt er auf die Zeit der Besiedlung der Savanne durch unsere Urahnen zurück. „Es gibt einen Löwen, aber keiner hat mit dieser Sorte von Löwen irgendeine Erfahrung, und schon steigt die Angst ins Unermessliche.“ Das erklärt auch, warum neue Technologien in der Bevölkerung oft auf starke Vorbehalte stoßen – es fehlt uns schlicht an Erfahrung.

Technologien sind nicht einfach da
Doch anders als der Löwe in der Savanne sind Technologien nicht einfach da. Wir müssen sie entwickeln und ihre Verbreitung vorantreiben, damit wir sie nutzen können. Und nur indem wir sie nutzen, können wir die notwendigen Erfahrungen sammeln, um Ängste ab- und Vertrauen aufzubauen. Es gehört also durchaus ein wenig Mut dazu – ohne den hätte die Menschheit schließlich nie den sicheren Urwald verlassen, um in der Savanne Erfahrungen mit Löwen zu sammeln.

Beispiel digitale Bildung: In einer Welt, die immer stärker durch digitale Technologien geprägt wird, ist digitale Kompetenz die entscheidende Voraussetzung für Bildung, für beruflichen Erfolg und für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Rund 90 Prozent der Berufe werden in naher Zukunft digitale Kompetenzen erfordern. Das Beherrschen digitaler Technologien entscheidet über die Chancen des Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt. Gleichzeitig hängt die Zukunft unserer Wirtschaft davon ab, dass sie genügend Fachkräfte mit digitalen Qualifikationen findet. Doch derzeit ist Deutschland laut „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) in Sachen digitaler Bildung bestenfalls Mittelmaß. So setzen beispielsweise in keinem anderen ICILS-Teilnehmerland Lehrkräfte Computer so selten im Unterricht ein wie in Deutschland. Damit verschenken sie gewaltige Chancen. Denn der Einsatz digitaler Technologien im Unterricht ermöglicht nachweislich lebendigere Lernerfahrungen und nachhaltigere Lernerfolge.

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Renate Radon mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Stand der Microsoft-Initiative IT-Fitness beim DsiN-Jahreskongress


Digitaler Bildungspakt für Deutschland

Deshalb hat Microsoft 2016 einen Digitalen Bildungspakt für Deutschland angestoßen, der inzwischen eine Vielzahl von Unternehmern, Wissenschaftlern, Bildungsexperten und Pädagogen, kommunalen Entscheidern und Technologie-Spezialisten vereint. Schließlich können wir nur durch gemeinsames, mutiges und verantwortungsvolles Handeln dafür sorgen, dass auch zukünftige Generationen die Chancen neuer Technologien voll nutzen können.

Auch die digitale Transformation unserer Wirtschaft müssen wir jetzt mutig vorantreiben. Denn die Welt da draußen dreht sich immer schneller. Junge Hightech-Unternehmen drängen mit Macht in gewachsene Märkte und stellen die Spielregeln in allen Branchen auf den Kopf. Entscheidend ist es, die digitale Transformation jetzt als Chance und nicht als Bedrohung wahrzunehmen.

Beispiel Cloud Computing: Zwar können firmeneigene IT-Infrastrukturen heute kaum noch dieselbe Sicherheit gegen Datenmissbrauch und Datenverlust bieten wie die Cloud. Dennoch verhindern Sicherheitsbedenken immer noch, dass Unternehmen konsequent in diese wichtige Basistechnologie investieren. Auch hier müssen wir gemeinsam mit umfassender Aufklärungsarbeit und absoluter Transparenz gegensteuern. Denn Cloud Computing ist die Voraussetzung für sämtliche Zukunftskonzepte – vom Internet der Dinge und Industrie 4.0 über vernetzte Wissensarbeit bis zur intelligenten Auswertung großer Datenmengen. Die Nutzung der Cloud ist deshalb keine Frage des „ob“, sondern allenfalls eine Frage des „wie“.

Nur digital mündige Nutzer können neue Technologien richtig anwenden
Fakt ist: Es liegt in der Verantwortung der IT-Wirtschaft, nutzerfreundliche und sichere Lösungen zu entwickeln und deren Funktionsprinzipien sowie mögliche Risiken transparent zu machen. Außerdem brauchen wir eine Politik, die Rahmenbedingungen vorgibt, in denen sich neue Technologien so entwickeln können, dass sie der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Verwaltung und dem Bürger möglichst großen Nutzen bringen können. Aber wir brauchen auch digital mündige Nutzer, die Risiken realistisch einschätzen können, Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen, neue Technologien kompetent beherrschen und angebotene Sicherheitslösungen auch wirklich anwenden.

Und letztlich müssen alle drei Gruppen an einem Strang ziehen, um gemeinsam mit Mut und Verantwortungsbewusstsein die Verbreitung neue Technologien voran zu treiben. Darum sind Initiativen wie „Deutschland sicher im Netz“ so wichtig. Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat DsiN viel erreicht. Mit der fortschreitenden Digitalisierung, der zunehmenden Vernetzung und der steigenden Komplexität unserer Welt wächst auch der Aufklärungsbedarf. Wir müssen weiter sensibilisieren, Basiswissen vermitteln, die Umsetzungsbereitschaft verbessern und Vertrauen aufbauen.

Dabei müssen wir mit dem rasanten technologischen Wandel Schritt halten. Um das in Zukunft leisten zu können, müssen wir alle Kräfte bündeln und möglichst viele Akteure einbinden. Denn es ist keine Lösung, im Urwald abzuwarten, bis andere Erfahrungen mit dem Löwen gesammelt haben. Diese anderen gewinnen in der Zwischenzeit sonst einen so großen Wissensvorsprung, dass sie kaum noch einzuholen sind. In Zeiten rasant fortschreitender Digitalisierung gilt das mehr denn je. Wir können es uns als Gesellschaft und als Wirtschaftsstandort schlicht nicht leisten, allzu lange zu zögern.

Beitrag von Renate Radon, Senior Director Public Sector, Microsoft Deutschland und Mitglied der Geschäftsleitung, in der Festschrift zu „10 Jahre DsiN

60 Prozent der Online-Nutzer brauchen Unterstützung in Sachen Sicherheit

Author: Inger Paus

Rund um die Uhr einkaufen, Überweisungen tätigen, Reisen buchen oder auf sozialen Netzwerken Freundschaften pflegen – die Digitalisierung vereinfacht unseren Alltag in vielerlei Hinsicht. Aber um mit der stetig wachsenden Vernetzung Schritt halten zu können, benötigen Online-Anwender besondere Sicherheitskenntnisse. Ein Wissen, das längst nicht alle Verbraucher haben. Spezielle Verschlüsselungstechniken, Passwortmanager oder elektronische Signaturen werden von vielen Anwendern nicht genutzt. Tatsächlich benötigen 60 Prozent der Deutschen Onliner dringend Unterstützung in Sachen Sicherheit. Das verdeutlicht der DsiN-Sicherheitsindex 2015, den der Verein „Deutschland sicher im Netz“ (DsiN) und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) in der letzten Woche vorgestellt hat. Ein Kernergebnis: Der Index hat sich zum Vorjahr zwar leicht verbessert, aber er zeigt auch auf, dass das Sicherheitsgefälle zwischen den verschiedenen Nutzergruppen weiter ansteigt. Continue reading

Sicher im Netz mit dem VHS-Tablet

Author: Stephan HohmannEs ist der Albtraum jedes Bankkunden: Während einer Online-Banking-Sitzung wird der Computer mit einer Schadsoftware infiziert, sensible Daten werden gestohlen und der Bankkunde wird zum Phishing-Opfer. Tatsächlich wurden rund 40 Prozent der Internetnutzer in Deutschland in den vergangenen 12 Monaten Opfer eines sicherheitsrelevanten Vorfalls, gab der Verein Deutschland sicher im Netz (DsiN) im November 2014 bekannt. Eine alarmierende Zahl, bei der man sich fragen muss, ob die eigenen Daten überhaupt ausreichend gesichert sind und vor allem, ob man tatsächlich genügend Kompetenzen hat, seine Computerinhalte vor kriminellen Zugriffen schützen zu können.

Können Sie das von sich behaupten? Immerhin zeigt eine weitere aktuelle DsiN-Umfrage, dass 60 Prozent der Befragten nicht über genügend Wissen in Sachen IT-Sicherheit verfügen und entsprechende Unterstützung benötigen würden. Continue reading